die „Bockerlbahn“


Kürzlich wurde beim Verein für Heimatpflege Bruckberg beschlossen, künftig regelmäßige Monatstreffs in den verschiedenen Ortsteilen anzubieten. Die Treffs sollen u. a. auch dem Informationsaustausch zu ortsgeschichtlichen Themen dienen.

Den Anfang machte der Verein nun mit einem in der Region bei der älteren Generation durchaus noch präsenten Thema, der sogenannten „Bockerlbahn“.  Vitus Lechner ging zunächst auf die Vorgeschichte ein, warum es zum Bau dieser Schmalspurbahn kam

Die Vorgeschichte begann mit dem Besuch des späteren Kommerzienrats August Ostenrieder 1905 im Schloß Kronwinkl. Dort wurde er auf reichhaltige Vorkommen von Montmorillonit (Bentonit) in der Region aufmerksam. Bereits 1906 gründete er die Erdwerke Konwinkl. In den nachfolgenden Jahren entstanden daraus die vereinigen Tonwerke Moosburg, aus denen schließlich die Firma Süd-Chemie (heute Clariant) entstand.

Bei den Erkundungen nach weiteren Abbauflächen von Bentonit erkannte er und sein Team, dass gerade auch die Region zw. Mainburg und Landshut reich mit diesen Bodenschätzen gesegnet war. Der steigende Bedarf an Tonerde wurde zunächst auf engen Kiesstraßen mit Pferde- und Ochsenfuhrwerken bewältigt. Damit konnte aber der steigende Rohstoffbedarf im Werk Moosburg nicht bewältigt werden und so entschloss man sich, den Transport auf Schienen zu organisieren.

1932 begann schließlich der Transport auf zunächst 12 km Gleisstrecke von Flickendorf nach Bruckberg. Am Bruckberger Bahnhof wurde das Rohbentonit auf Güterwagons verladen und nach Moosburg transportiert. Hiermit konnte man anfangs ca. 60 – 80 Tonnen täglich transportieren, was aber bald wieder nicht mehr ausreichte. Nach und nach wurde die Schienenstrecke auf rund 25 km erweitert. Im Osterbachtal wurde nun auch nach Pörndorf abgezweigt.

Im Endausbau wurde der Bahnbetrieb mit 5 Dampf- und zwei Dieselloks bewältigt. Der Bahnbetrieb begann morgens geg. 03.30 Uhr mit dem Anheizen der Dampfloks und mit dem Kohle- und Wasserfassen für den nachfolgenden Arbeitstag. Ab 05.30 Uhr wurde dann der Fahrbetrieb aufgenommen.

Während des zweiten Weltkriegs konnte der Bentonitabbau und Bahnbetrieb nur aufrechterhalten werden, weil man hierfür ca. 40 – 50 russische Kriegsgefangene einsetzte, die man in einer eigens errichteten Holzbaracke in Flickendorf untergebracht hat.

Nach dem Krieg wurde der Transport des Bentonit mehr und mehr wieder auf die Straße verlegt. Immer mehr LKW fuhren tagtäglich mehrmals die Strecke vom Abbaugebiet direkt zum Werk Süd-Chemie. Dadurch wurde das umständliche Umladen in Bruckberg überflüssig und die Bahnstrecke wurde 1961 endgültig stillgelegt und rückgebaut.

Der Referent zeigte im Anschluss zahlreiche Fotos aus dieser Zeit, die er im Laufe der Jahre von Augenzeugen und ehemaligen Betriebsangehörigen erhalten hat. Etliche der Bilder konnten von anwesenden Besuchern noch kommentiert werden, da sie entweder einen Vorfahren auf dem Bild erkannten, oder gar selbst die Bahn noch als Spielplatz nutzten. Auch so manche Anekdote konnte Vitus Lechner zu einzelnen Bildern noch erzählen.

Zum Abschluss seines Vortrags bedankte sich Lechner noch für den so überaus zahlreichen Besuch und wies darauf hin, dass in Kürze eine von Ralph Bergmann aus Bruckberg gestiftete Tafel an der Bahnhofstraße gegenüber der Metzgerei Rampf aufgestellt wird. Diese Alutafel zeigt den damaligen Streckenverlauf und einige Bilder dieser Zeitepoche.