Ein Fest für diejenigen, die überlebt haben


Vor 100 Jahren feierten die Gemeindebewohner ihre heimgekehrten Soldaten

Gündlkofen/ Bruckberg. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges am 11. November 1918 und der Rückkehr der Regimente in ihre Heimatgarnisonen, war es den Soldaten endlich möglich, wieder zu ihren Familien zurückzukehren. Zur Begrüßung und Würdigung der Kriegsteilnehmer fand am 6. Januar 1919 ein Fest für die heimgekehrten Soldaten statt, dass trotz der Entbehrungen und Erlebnisse der damaligen Zeit feierlich vollzogen wurde. Dem Gündlkofener Hauptlehrer Michael Ortbauer sind umfangreiche Niederschriften zu verdanken, in denen sich die Ereignisse und Entbehrungen vor 100 Jahren wiederspiegeln.

Der 6. Januar 1919 als Tag der Feierlichkeiten dürfte wohl kurzfristig angesetzt worden sein, da vier Tage später die allgemeine Demobilmachung stattfand, also die Auflösung der Einheiten. Ganz Gündlkofen rüstete sich für das Fest zu Ehren der heimgekehrten Kriegsteilnehmer aus der Gemeinde Gündlkofen mit Gündlkoferau, Widdersdorf, Ried und Reichersdorf. Jedes Haus war geschmückt, besonders jene, die ein Familienmitglied begrüßen konnten.
Triumphbögen, Girlanden und Flaggen zierten die Straßen. Schon um 7 Uhr morgens zog die Musik durch das Dorf und Böllerschüsse verkündeten den Beginn des Festes. Ein Festzug mit 104 Kriegsteilnehmern zog vom Bahnhof in die Dorfmitte von Gündlkofen und Pfarrer Anton Fertl zelebrierte einen Dankgottesdienst. Verschiedene Willkommensgrüße und Reden prägten diesen Tag und auch beim Umzug durch das Dorf waren alle Augen auf die Heimgekehrten gerichtet, die dafür eigens ihre Uniformen trugen.

In den Gasthäusern feierte man die Soldaten mit einem Frühschoppen und das Festmahl bestand aus Lüngerl, Kalbs- und Schweinebraten. „Das war Abwechslung und Ersatz für den Kriegern sattsam bekannte Feldküche“ wie Ortbauer schreibt. Die Feierlichkeiten mit geselliger Unterhaltung und Tanz dauerten bis zehn Uhr abends. Besonders die überlieferte Festrede des Hauptlehrers zeigt die Wichtigkeit dieses Tages. Er erinnerte an die entsetzlichen Schrecken der letzten vier Jahre und an die gefallenen Kameraden, die nicht mehr in die Heimat zurückkehrten. Sein tiefer Dank galt den Soldaten für den Schutz ihrer Heimat. Er gedachte aber auch den Kameraden, die sich noch in Gefangenschaft befanden. Seine umfangreichen Aufzeichnungen im Ehren- Buch der Gemeinde Gündlkofen sind heute ein wichtiges Zeitzeugnis.

Besonders hervorzuheben, ist sein ansprechendes Nachwort zu den Feierlichkeiten: „Lieber Leser! Wenn in 50 oder mehr Jahren Deine Augen diese Zeilen überfliegen, so kannst Du sehen, wie wir unsere Krieger, die unendlich viel gelitten für uns, geehrt haben.“

Am nachfolgenden Tag versammelten sich alle Soldaten in der Pfarrkirche zum feierlichen Requiem für die gefallenen Kameraden. Jedes Heldengrab wurde besucht. Drei Böllerschüsse waren der letzte Gruß für die in fremder Erde Ruhenden.
Zur Deckung der Unkosten führte man in den betroffenen Dörfern eine Haussammlung durch, die etwa 800 Reichsmark einbrachte.

Auch im Nachbarort Bruckberg gedachten die Bewohner an diesem Tag mit einem Dankgottesdienst und einem Umzug durch das Dorf ihren heimgekehrten Männern.

Am Pfingstsonntag, den 24. Mai 1920 veranstaltete die Gemeinde Gündlkofen für sieben zurück gekehrte Kriegsgefangene eine Heimkehrfeier, umrahmt von einem Festgottesdienst und Unterhaltung am Nachmittag.

In der Pfarrkirche Bruckberg fand am Sonntag den 28. November 1920 ein feierlicher Gottesdienst zum Gedenken an die im Weltkrieg gefallenen Soldaten statt. Vikar Weinmayr gedachte vor einem symbolisch errichteten Heldengrab mit Birkenkreuz den 57 Gefallenen der Pfarrei Bruckberg. Am 29. Juni 1921 enthüllte man neben dem Möslingbach ein Kriegerdenkmal.

Um auch den Gefallenen in der Pfarrei Gündlkofen ein Denkmal zu setzen, errichtete der Veteranen- und Kriegerverein im Mai 1922 mit Hilfe von Spenden ein Kriegerdenkmal. Auf dem Denkmal mit dem betenden St. Georg standen die Namen von 28 Gefallenen.
Manche Familien traf das Schicksal besonders hart – so kehrte von den vier Söhnen des Wagnermeisters Georg Berger nur ein einziger wieder aus dem ersten Weltkrieg zurück.

Festrede von Hauptlehrer Michael Ortbauer:
Hochgeehrte Festversammlung! Liebe Krieger unserer Heimat!
Vor allem „Gott zum Gruß“ als herzliches Willkommen in der lieben Heimat. Voll Sehnsucht blickten wir aus nach der Zeit, die uns endlich den heiß ersehnten Frieden bringen sollte und diese Stunde hat nun endlich geschlagen. Ja, der Krieg, er ist nun zu Ende.

Das entsetzliche Menschenmorden hat einen jähen Abschluß gefunden. Die deutschen Heere haben die Waffen gesenkt, die Krieger, die einst in der Stunde der Not und Gefahr zu den Fahnen geeilt, sie sind wieder zurückgekehrt zu ihren häuslichen Herd, unbesiegt nur einer gewaltigen, erdrückenden Übermacht haben sie das Feld geräumt. Das deutsche Heer hat mehr als 4 Jahre einer ganzen Welt von Feinden getrotzt und Stand gehalten. Den Feind in hunderten von Schlachten gefallen und ihn von unserer Heimat ferngehalten. Treulos verlassen von unseren Bundesgenossen, blieb keine andere Wahl, als der Rückzug. 51 Monate tobte der Kampf, Ströme von Blut sind auf den Schlachtfeldern in Ost und West geflossen. Ströme von Tränen wurden in der Heimat geweint, geweint von gebrochenen Frauen-, Eltern- und Geschwisterherzen.
Die Heldentaten unserer Krieger sind mit eisernem Griffel eingeschrieben in die Blätter der Weltgeschichte, ewig und unauslöschlich. Das „Eiserne Kreuz“ es schmückt die Brust unserer Tapferen und wir sind stolz darauf, daß auch in unserer Heimat so viele mit dieser Auszeichnung bedacht wurden. Wie die Väter und Großväter in den Jahren 1870/71, so haben die Söhne und Enkel im Weltkriege 1914-1918 Übermenschliches geleistet und erduldet für unser Vaterland. Sie haben die Millionenheere im Osten geschlagen und im Westen die deutsche Heimat vor Verwüstung bewahrt.
Leider zu unserem Schmerze, mußten viele ihre Treue mit dem Tode besiegeln. Sie kehrten nicht mehr heim. Weißblau geblümt stehen schlichte Holzkreuze im Schnee der Vogesen. Ihre Aufschrift kündet: Hier liegt ein braver Wehrmann, gestorben für sein Vaterland. Weißblau gerankt stehen diese Kreuze in langen Reihen an den großen Leichenäckern der Champagne, Pikardie und Flandern. Wir finden diese Denkmäler deutschen Heldenmutes in Serbien, Rumänien, in den polnisch-rußischen Steppen bis hinauf zu den Inseln Kur- u. Finnlands. Erdhügel wüst getürmt, wild geschaufelt von elementarer Gewalt der Granaten decken bei Zypern, Arras und Verdun die Leiber unserer Helden. Vieltausend Söhne Bayerns liegen so in fremder Erde, schlafen bis der Herr sie ruft. Und wie sie starben „Mit Gott“ so fielen sie und Herbstblumen tranken ihr letztes Herzblut.
Vergessen sie mir nie diese Helden! Memento! Meine Lieben!
Nehmt hin unseren tiefheißen Dank für den Schutz unserer Heimat. Es ist nur ein schwacher Dank, den wir Euch durch Veranstaltung dieses Festes entgegenbringen im Vergleich zu den vielen Opfern, die Ihr gebracht. Möge auch unseren Soldaten, die noch das harte Los der Gefangenschaft erdulden und sich nach der Heimat, nach ihren Lieben sehnen, bald die Stunde der Freiheit schlagen.
Zum Schluße lade ich Sie, verehrte Gäste alle herzlich ein, mit mir zu rufen: Unser Vaterland, unser Gündlkofen, unsere tapferen, heimgekehrten Krieger sie leben hoch, hoch und nochmals hoch!

Die Soldaten versammelten sich um die Tribüne vor der Gündlkofener Pfarrkirche. Manche waren erst wenige Tage vor dem Fest nach Hause zurückgekehrt.

Beim Festumzug durch das Dorf.

Die Bruckberger Kriegsteilnehmer posierten für ein Gruppenfoto vor dem Gasthaus Strasser.

Vier Söhne des Hauptlehrers Michael Ortbauer zu Pferde, die von Gündlkofener Bauern für die Feierlichkeiten zur Verfügung gestellt wurden.

Gruppenfoto vor der Gündlkofener Friedhofsmauer.