Eine alte Brücke, Isargold und Flößerei


Wanderung durch die Isarauen war voller Erfolg – 65 Teilnehmer auf Spurensuche

Bruckberg. Auf der Suche nach der früheren Isarbrücke nahm Heimatforscher Vitus Lechner am Himmelfahrtstag seine Zuhörer mit auf eine abwechslungsreiche und kurzweilige Wanderung. Vieles gab es über die Entwicklung und Nutzung des Flusses in den letzten Jahrhunderten zu berichten. Aber auch die Schönheit der Natur, vor allem an den Sieben Rippen, wollte Lechner den Besuchern näherbringen. Unterstützt wurde er dabei von Kräuterpädagogin Kordula Müller, die mit ihrem Wissen über alte Heilkräuter die zweistündige Wanderung bereicherte.

Bei bestem Wetter konnte Vitus Lechner 65 Geschichts- und Wanderfreunde am Isardamm begrüßen. Da die Isarbrücke von Bruckberg bereits in Vergessenheit geraten ist, war es ihm ein Anliegen, sich auf Spurensuche zu begeben. Heute verläuft die Isar eingetieft und in ein künstlich verengtes Flussbett gezwängt. Doch ursprünglich verteilte sich die „wilde Tochter des Karwendels“ in zahlreiche Rinnen, die sich zwischen ausgedehnten Kiesbänken ihren Weg suchten und entsprechend verlagerten. Es ist durchaus möglich, dass ein Isarübergang immer wieder den natürlichen Veränderungen angepasst wurde. Zudem darf man sich keine steinerne Brücke vorstellen, sondern eine Holzbrücke. Bei der Spurensuche nach einem Übergang ist das gesamte Umfeld zu betrachten wie schriftliche Quellen, Bodenspuren, Luftaufnahmen oder Flurnamen. So belegen eindeutige schriftliche Quellen zum Bruckberger Schloss aus dem Jahr 1377 und 1624 die Aufforderung der Schlossherren zum Unterhalt der Isarbrücke. Im Jahr 1745 berichten Quellen über die im dreißigjährigen Krieg zerstörte und notdürftig reparierte Isarbrücke bei Bruckberg. Auch die auffällige Anhäufung vorgeschichtlicher Fundplätze aus der Bronze- bis zur Hallstatt- und Latenezeit zwischen Weixerau, Niedererlbach und der linken Isarseite mit Gündlkofen und Bruckberg deuten auf eine frühe Verbindung über die Isar hin.

Zahlreiche Mühlen am Klötzlmühlbach
Aus einem ehemaligen Altwasserarm dürfte um 1200 der Mühlbach auch Klötzlmühlbach angelegt worden sein. Der durch den Ammersee regulierten Amper wird kurz vor ihrer Einmündung in die Isar Wasser entnommen. Auf einer Länge von 19,9 Kilometer und einem steten Gefälle von insgesamt achtzehn Metern wurden zahlreiche Mühlen wie die Bartmühle, Mittermühle, Rammermühle, Ellermühle, Wamplmühle und Klötzlmühle mit dem Wasser angetrieben.

Der uralte Flurname „Samerpoint“ erinnert an eine frühere Säumerei. Säumer waren die Fernfahrer des Mittelalters. Eine derartige Station, heute vergleichbar mit einer Autobahnraststätte, lässt sich auf einen Brückenbereich beziehen.

Der Name Isar ist ersturkundlich im Jahr 763 als „Isura“ im Traditionsbuch des Hochstifts Freising genannt. Die Bezeichnung ergibt sich wohl aus dem Keltischen, was „reißendes Wasser“ bedeutet. Rund 290 Kilometer und einen Höhenunterschied von 860 Metern legt der Fluss von seiner Quelle bis zur Mündung in die Donau zurück.

Vier mögliche Brückenstandorte
Für Vitus Lechner ergeben sich vier mögliche Standorte für einen Isarübergang. Diese befinden sich auf einer Länge von drei Kilometern; oftmals verlief ein geradliniger Weg davon direkt auf den Bruckberger Schlossturm, als markanten Orientierungspunkt, zu.

Mit dem Halt an den Sieben Rippen befanden sich die Wanderer in einem bedeutenden Vogelschutzgebiet und einem der schönsten Plätze der mittleren Isar. Eine geologische Besonderheit sind die Nagelfluhfelsen – im Volksmund auch „Herrgottsbeton“ genannt. Hierbei handelt es sich um ein betonartiges festes Gestein, das aus größeren und kleineren rundlichen Geröllen besteht. Diese sind auf natürliche Weise verkittet und bilden einen zwar porigen aber doch recht festen Stein. Aufgrund des hohen Wasserstandes der Isar waren die Steine an diesem Tag allerdings kaum sichtbar. Auch die geplante „Isartaufe“ musste deswegen entfallen. Trotzdem hielten der Heimatpfleger und seine Helfer genug Wein bereit, um die Anwesenden bei einer Pause zu verköstigen. Vitus Lechner und Ottmar Reiter aus Niederaichbach erzählten über die Isarflößerei (siehe Bericht unten).

Nach ihren Ausführungen über das Berufkraut informierte Kordula Müller am nächsten Halt über die Vorzüge des Seifenkrauts und der Goldrute.

Isargold mit feinem Grünschimmer
Vor dem Verlassen des Isarradweges berichtete der Heimatforscher noch über die Flussgoldwäscherei, denn bis Anfang des letzten Jahrhunderts wurde von Moosburg isarabwärts Gold gewaschen. Auch heute erinnern Ortsnamen und Hinweise an diese Tätigkeit. Das besondere Merkmal des Isargoldes war der feine Grünschimmer. Mit der Goldgewinnung in früherer Zeit durfte selten jemand reich geworden sein, denn es war sehr mühsam, die aus den Quarzgesteinen des Karwendelgebirges herausgewaschenen Goldflinserl zu finden. Allerdings wusste er von einem Isargolddukaten aus dem Jahr 1780. Für gut erhaltene Stücke können bei Auktionen bis zu 11.000 Euro erzielt werden.

Auf dem Weg zurück erwähnte Lechner ein Bodendenkmal im Auwald ohne zeitliche Zuordnung, dessen gerader Verlauf zur Isar heute Rätsel aufgibt.
In diesem Zusammenhang verwies er auf die Altstraßenforschung, für die auch uralte Patrozinien frühchristlicher Heiliger herangezogen werden. So sind der heilige Nikolaus (Schlosskirche Bruckberg) und Jakobus (Pfarrkirche Bruckberg) die Patrone der Fuhrleute, Wanderer und Kaufleute. Auf alten Fernstraßen findet man häufig Kirchen mit diesen Patronen.

Mit seinen Ausführungen zur Bartmühle, die bereits im Jahr 1465 in Steuerbüchern erwähnt wird, beendete er seine Ausführungen und bedankte sich bei seinen Mitrednern und den zahlreichen Zuhörern.

 

Die Flößerei auf der Isar

Die Isarflößerei war vom 13. bis zum 19. Jahrhundert ein Mittel des Güter- und Personentransports. Die Isar konnte ab Mittenwald mit dem Floß befahren werden. Die wichtigsten Zielorte waren die bayerischen Residenzstädte München und Landshut sowie die Bischofsstadt Freising. Aber auch bis zur Isarmündung in Deggendorf und sogar noch donauabwärts bis Wien oder Budapest nutzte man den Fluss zum Warentransport – vor allem von größeren und sperrigen Gütern, Personenverkehr und der Holztrift. Bis zum Bau der Bahnlinie München – Landshut – Landau bildete die Isar mit ihrem Floßverkehr eine wichtige Verkehrsader. So kamen im Jahre 1844 653 Flöße und 1857 eine stattliche Zahl von 1609 Flößen an, diese waren unter anderem mit Gips- und Kalksteinen, mit Brettern und Holzkohle sowie mit Möbeln der Tölzer Kistler beladen.

Die Eisenbahn brachte das Ende dieses Verkehrsweges mit sich – das letzte Floß von München nach Wien fuhr 1904. In diesem Jahr fand auch der letzte Ferntransport statt, als der in München gefertigte Deckel eines großformatigen Braukessels mit einem Durchmesser von sechs Metern über Isar und Donau nach Wien geflößt wurde.

Der berühmteste Reisende auf der Isar von Mittenwald mit dem Floß kommend, war im Jahr 1424 der byzantinische Kaiser Johannis VIII. Palaiologos. Er befand sich mit fünf Flößen auf der Rückreise von Italien und wählte diese Route nach Ungarn mit der Weiterfahrt nach Konstantinopel.

 

Vitus Lechner konnte am Himmelfahrtstag zahlreiche Interessierte begrüßen

Kräuterpädagogin Kordula Müller erklärte die Heilkraft des Berufkrauts

Die Wege führten auf dem Damm und durch den Auenwald zur Isar

Bei sonnigem Wetter legte die Gruppe eine Rast an den Sieben Rippen ein, einem ganz besonderen Platz.

Nette Gespräche und Bekanntschaften sind Teil der Wanderungen

Auch die Bewirtung mit einem Becher Wein kam nicht zu kurz

Kurz vor der Bartmühle verabschiedete sich Vitus Lechner bei den Teilnehmern der Wanderung