Eine hölzerne Keltin für den Museumsgarten


Bruckberg. Die Planung für die Innengestaltung des Heimatmuseums läuft in vollem Gange, zudem die notwendigen Bewilligungen beim LEADER- Ausschuss des Landkreises Landshut und im Bruckberger Gemeinderat zwischenzeitlich eingeholt wurden. Aber auch im Außenbereich schreiten die Arbeiten voran – haben sich die Mitglieder des Heimatpflegevereins in mehreren Arbeitssitzungen ein ansprechendes Konzept für die Gestaltung des Museumsgartens um das Keltenhaus überlegt.

Manch Bruckberger fragte sich in den letzten Wochen, welch seltsame Dinge am Weinberg von Vitus Lechner vor sich gingen. So wurde ein zwei Meter hoher Baumstamm von mehreren Mitgliedern des Heimatpflegevereins in den Innenhof geschleppt und mit Kettensäge und Stemmeisen bearbeitet. Sollte es sich hierbei gar um eine Marienstatue für eine kleine Kapelle handeln? Weit gefehlt – in rund 25 Arbeitsstunden entstand durch Erich Murr eine Holzfigur, die einer keltischen Dame nachempfunden ist und auf Grabungen in den Bruckberger Mooswiesen im Jahr 1985 zurück geht. Archäologen entdeckten damals in einem der Hügelgräber die Überreste einer jungen Keltin. Reichhaltige Grabbeigaben wie Keramikgefäße und ein Messer aber auch der wertvolle Bronzeschmuck, bestehend aus mehreren Armreifen, Ohrringen, Gürtel mit Metallschließen und einer sehr wertvollen Halskette samt ringförmiger Bernsteinperle sorgten damals für Schlagzeilen. „Dies ist wohl einer der interessantesten Funde aus der Hallstattzeit, den wir in Niederbayern bisher gemacht haben“ bestätigte seinerseits der Archäologe Werner Weber. Ihm ist auch die Benennung als „Reiche Bruckbergerin“ zu verdanken.

Im Zuge des Museumskonzeptes fand eine Strontium- Analyse der Überreste der keltischen Dame statt und bestätigte die Besonderheit des Fundes. So handelt es sich um eine echte „Einheimische“, was nicht zwingend anzunehmen war, da vor über 2500 Jahren eine rege Wanderbewegung stattfand. Ihre Körpergröße betrug 1,72 m und sie muss aufgrund der prachtvollen Grabbeigaben einer höheren Schicht angehört haben. Die vollständigen Erkenntnisse wird eine DNA- Analyse bringen, deren Ergebnis lässt sich im künftigen Museum erfahren.
Für die Mitglieder des Heimatpflegevereins stand fest, ihrer „Vorfahrin“ nicht nur im Museum sondern auch im Garten einen Platz einzuräumen. Nach Fertigstellung der Außenanlagen wird sie standesgemäß vor dem Keltenhaus ihren Platz finden.

Erich Murr und Manfred Baier bearbeiten den 2 Meter langen Baumstamm

Mit Hilfe der Kettensäge entstehen die Grobkonturen.

Erich Murr bei den letzten Feinarbeiten.

Sobald die Außenarbeiten um das Keltenhaus abgeschlossen sind, wird die Holzfigur hier ihren Platz finden.

Erich Murr verrät, wie die Holzfigur entstand

Die Holzfigur der „Reichen Bruckbergerin“ entstand aus der Hand des Münchnerauers Erich Murr genannt „Josuah“:

Herr Murr wie entstand der Kontakt zum Heimatpflegeverein?
Erich Murr: Als ehemaliger Bruckberger sprach mich mein früherer Schulkamerad und Winzergenosse Vitus Lechner darauf an. Zuvor hatte ich ihm von meinem Kurs im Motorsägenschnitzen erzählt.

Was reizte Sie an diesem Thema?
Erich Murr: Schon in der Schulzeit lag meine Begabung im künstlerischen Bereich und mit dem Schnitzen entwickelte sich mein Hobby weiter. Mit dem Weinberg von Herrn Lechner war zudem ein optimaler Ort gefunden, an dem ich mich abseits meines Heimatdorfes entfalten konnte ohne mir Gedanken über Lärmbelästigung machen zu müssen. Zudem ist dieses Werk eine Geste gegenüber meiner alten Heimat.

Welches Holz verwendeten Sie für die Figur und warum?
Erich Murr: Wir benutzten Pappelholz, da es weniger reißt und auch weniger Gewicht als andere gutschnitzbare Hölzer besitzt.

Wie gingen Sie bei Ihrer Arbeit vor?
Erich Murr: Ich orientierte mich beim Schnitzen am Originalfund mit seinen reichhaltigen Schmuckgegenständen. Zuerst begann ich mit der Motorsäge die Grobkonturen herauszuarbeiten und ging dann in die Feinarbeit über. Gearbeitet habe ich mit einer Aku- Kettensäge, dem Stechbeitel (Stemmeisen) und einem Klüpfel.