Hexen tanzten in den Wonnemonat


Bruckberg. Die letzte Nacht im April wird mit vielen Geschichten über Hexen, Geisterwesen und ausschweifenden Festen in Verbindung gebracht. Der Heimatforscher Vitus Lechner hielt auch bei seiner sechsten Walpurgiswanderung viel Interessantes und Unterhaltsames über diesen Tag bereit.

Bei idealem Frühlingswetter trafen sich 80 Wanderer aus nah und fern an der Kirche in Pörndorf. Nach der Begrüßung und einer kurzen Einführung des Heimatforschers tauchte die Gruppe auf ruhigen Feldwegen in die wiedererwachte Natur ein.

Schon die Kelten ehrten diese Zeit – begann mit dem 1. Mai für sie das Sommerhalbjahr. Dies war gekennzeichnet von Fröhlichkeit, Wärme, Licht und entsprechenden Feiern. Der Sommer mit seiner lebensspendenden Sonne brachte neues Leben und viele Früchte hervor. Im Gegensatz verkörperte der Winter Hunger, Kälte, Krankheiten und Tod – so gesehen eine gefährliche Jahreszeit, die mit viel Angst verbunden war. Die Freude über den Beginn des Frühlings hat sich in der „Freinacht“ fortgeführt – harmlose Scherze im ländlichen Umfeld sind auch heute noch im Brauchtum verankert. Im Laufe der Zeit und im Zuge der Christianisierung stellte man das Freudenfest mehr und mehr als angsterregende Hexennacht dar. Die Kirche verdammte das heidnische Fest und verbreitete das Gerücht, dass in dieser Nacht die Hexen ausflogen, um sich auf den Bergen zu versammeln und die Ankunft des Teufels zu erwarten, berichtete der Heimatforscher. Der Aberglaube um den Hexenkult führte im Mittelalter zu zahlreichen Hexenverbrennungen.

Aus der Walpurgisnacht als Fest der Fruchtbarkeit und des Lebens entwickelte sich auch der Maibaum mit seinen Kränzen. Es entstanden ausgelassene Maifeiern, vor allem auch unter dem Hintergrund, dass früher der 1. Mai als Tag der Musterung galt, an dem junge Burschen zum Militärdienst ausgesucht wurden.

Bei verschiedenen Haltepunkten erläuterte Lechner einige vorgeschichtliche Plätze. So befanden sich auf einer einst bewaldeten Kammlinie 15 mächtige Grabhügel aus der Bronzezeit, die während des Tonsilerde- Abbaus ausgegraben wurden. Erwähnenswert ist hier der Fund einer Bernsteinkette.

Inmitten des Waldes begaben sich die Wanderer alsdann zum Ludwigshain. Hierbei handelt es sich um den einzigen größeren Standort von Traubeneichen in Südbayern, sie wurden zur Zeit König Ludwigs II. gepflanzt. Traubeneichen finden sich häufig im Spessart, sind sehr gerbstoffreich und werden über 500 Jahre alt. Vermutlich befand sich an der Stelle eine keltische Siedlung. Auch die Forstverwaltung hat die Besonderheit dieses Platzes erkannt und schützt diesen Standort.

Auf dem Weg bereicherte die Kräuterpädagogin Theresia Pflügler die Zuhörer mit ihrem Wissen. Vorbei an einem großen, bisher nicht erforschten Hügelgrab begab sich die Gruppe zum früheren Verlauf der Bockerlbahn, die bis zum Jahr 1962 Tonsilerde aus dieser Gegend beförderte. Vom Schlossberg „Lichtenwart“, einem Herrensitz oder heiligen Ort aus der Vorgeschichte ertönten plötzlich sonderbare Töne, die auf die Nähe von Hexen schließen ließen. Nach einem Anstieg führte der Heimatforscher die Wanderer zu einem besonderen Platz, den er aufgrund seiner hohen Strahlung als magisches Dreieck bezeichnet. Die geschichtliche Bedeutung ist allerdings nicht bekannt. Es verwunderte nicht, dass hier tatsächlich Hexen warteten, die mit Musik und Tanz die Zuschauer erfreuten. Bei einem Getränk und Kräuterbroten stießen die Teilnehmer auf einen schönen Sommer an.

Nach der kleinen Feier bedankte sich Vitus Lechner bei allen Mitwirkenden für ihre Unterstützung. Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit kehrte die Gruppe von der fünf Kilometer langen Wanderung zum Ausgangspunkt zurück.

Bei seinem ersten Halt erläuterte Lechner den Fund von Hügelgräbern in dieser Gegend.

 

Auf ruhigen Wegen erkundeten die Wanderer die Gegend um Pörndorf.

 

Heimatforscher Vitus Lechner bei seinen Ausführungen.

 

In gewohnter Weise wusste der Heimatforscher viel Interessantes über die Gegend zu berichten.

 

Halt im Ludwigshain mit seinen stattlichen Traubeneichen.

 

Die „Hexen“ der Bauchtanzgruppe Bruckberg erfreuten die Zuschauer.

 

Mit großem Applaus beendete die Bauchtanzgruppe ihre Vorführung.

 

Bestens ausgerüstet, hielten die Helfer neben Wein auch frisch zubereitete Kräuterbrote bereit. Bärlauch, roter Ampfer, Rukola, Schnittlauch, Girsch und Knoblauchsrauke fanden hier Verwendung.