Von Rittern, Römern und Kelten


20. Neujahrswanderung erkundete Gebiet hinter Edlkofen und Thulbach

Bruckberg. Was vor 19 Jahren im Millenniumsjahr 2000 als ein Versuch mit 35 Teilnehmern begann, hat sich zu einem festen Termin im Kalender vieler Geschichts- und Wanderfreude etabliert. 140 Interessierte trafen sich dieses Jahr zur Neujahrswanderung von Vitus Lechner. Auf einem rund neun Kilometer langen Rundweg hielt der Heimatforscher viel Interessantes über verborgene und vergessene Plätze in dieser Gegend bereit.

Streckenverlauf der 20. Neujahrswanderung

Trotz trüben Wetters konnte Vitus Lechner die zahlreichen Teilnehmer an der Edlkofener Kapelle aus dem Jahr 1727 begrüßen. Nach einem geschichtlichen Rückblick auf diesen Ort gab er das Wort an Pater Dan Anzorge weiter, der momentan für die Pfarrgemeinde Bruckberg zuständig ist. Nach seiner herzlichen Ansprache erteilte dieser den Wanderern den Neujahrssegen und begab sich ebenfalls mit auf den Weg zum ersten Halt, einer Altstraßenkreuzung oberhalb von Edlkofen. Diese Altstraße führte vom Amper- bzw. Mauerner Bachtal über Wang, Volkmannsdorf und Thulbach nach Bruckberg und weiter entlang der Isar über Gündlkofen, Altdorf, Ergolding nach Essenbach. Dazwischen existierten immer wieder Kreuzungen, die zu Siedlungen oder bis zur Donau führten. So gab es im Mittelalter in Edlkofen eine „Säumerstation“, die man heute mit einer Autobahnraststätte vergleichen kann.

Der nächste Halt befand sich am Konsorthügel mit weitem Blick auf die Bruckberger Kirchen und das Isartal. Lechner erklärte die beiden uralten Flurnamen Konsort (deutet auf einen Gemeinschaftsbesitz hin) und Kagenhart (mittelalterliche Namensgebung für einen befestigten Wald). Am Aichet oder Eichet konnte man bei genauer Betrachtung inmitten des Waldes noch deutlich den Winkel einer Wallanlage erkennen. Möglicherweise war es Teil einer Viereckschanze. Der Begriff „Eichet“ bedeutet so viel wie umfriedeter Platz und dürfte demnach ein Relikt der keltischen Vergangenheit sein.

Vor dem Weiler Hartshausen gönnte sich die Gruppe nochmal einen Blick in die Ferne. Hartshausen trat 1500 urkundlich als Einöde auf. Ein Großbrand zerstörte 1902 den gesamten Hof. Seit 1955 ist der Hof im Besitz des Solanushauses in Landshut. Dementsprechend wurde er lange Zeit von den Ordensschwestern bewirtschaftet und die landwirtschaftlichen Produkte täglich an das Mutterhaus bzw. das Kinderkrankenhaus geliefert. Die Landwirtschaft ist mittlerweile eingestellt – heute befindet sich hier ein Pferdehof.

Beim nächsten Bodendenkmal, einer im Unterholz verborgenen Wallanlage, ist zu vermuten, dass es sich um ein Schanzwerk im Zusammenhang mit der Schlacht von Gammelsdorf 1313 handelt. Laut urkundlicher Überlieferung verschanzten sich die österreichischen Truppen im Wald zwischen Bruckberg und Gammelsdorf. Rund 20.000 Mann könnten sich im November 1313 hier verborgen haben. Bestärkt wird die Annahme dadurch, dass nur wenige hundert Meter außerhalb des Waldes viele Flurnamen zwischen Reichersdorf und Gammelsdorf mit der Bezeichnung „Streitfeld“ (Schlachtfeld) überliefert sind.
Entlang des Waldes verwies der Heimatforscher auf dieses Streitfeld – vermutlich dürfte hier das Hauptschlachtfeld von 1313 gewesen sein.

Der Weg nach Thulbach führte an einer im Dickicht verborgenen Hügelgräbergruppe vorbei – mit 500 Metern Höhe der höchste Punkt dieser Gegend. Vor dem Abstieg nach Thulbach verwies Vitus Lechner auf die frühe und häufige urkundliche Nennung des Dorfes. So nimmt Thulbach in der frühen bayerischen Geschichte einen festen Platz ein – nur wenige Orte können sich damit messen. Auch die älteste Nennung des Weinanbaus in dieser Gegend aus dem Jahr 753 stammt von hier.

Nach einer Stärkung im Gasthaus Kölnberger trat man den Heimweg an. Bei einem kurzen Halt verwies Lechner auf die ansprechende Thulbacher Kirche aus dem Jahr 754.
Nach einem Aufstieg durch den Wald befanden sich die Wanderer auf einer imposanten Anhöhe mit steilem Abgrund. Hier wird eine „Villa rustica“, ein römischer Gutshof, vermutet. Peter Geldner, Vorsitzender des Vereins für Landkreisarchäologie ArLan, konnte über aktuelle Funde wie Münzen und Scherben berichten, die diese Vermutung bestätigen. Die Anlage wird frühestens dem 2. Jahrhundert nach Christus zugeordnet. Ob weitere Untersuchungen des Geländes stattfinden, wird derzeit geklärt.

Zurück auf dem Weg und zum Ende der viertstündigen Wanderung verabschiedete sich Vitus Lechner bei den Teilnehmern. Peter Geldner bedankte sich gleichermaßen bei dem engagierten Heimatpfleger für seinen Einsatz. Pater Dan Anzorge erteilte den Abschlusssegen und vor Einbrechen der Dunkelheit kehrten die Wanderer nach Edlkofen zurück.

Oberhalb des Ortes Thulbach eröffnete sich den Wanderern ein Blick in das Isartal.
Der Heimatforscher Vitus Lechner bei seinen Erläuterungen.
Begrüßung in Edlkofen: Vitus Lechner mit Dan Anzorge, Pater der Steyler Mission.
Wallanlage am Eichet, wie sie im Geländemodell erkennbar ist (in Rot der Streckenverlauf der Wanderung)
Peter Geldner zeigte den interessierten Wanderern Fotos der Funde aus dem Jahr 2018, die auf eine „Villa rustica“ hinweisen.
Eine von sechs gefundenen Münzen stellt die römische Kaiserin Faustina II (156 bis 161 nach Christus) dar.
Verschiedene Fundstücke wurden an der Stelle gefunden.
Verabschiedung am letzten Halt der Wanderung