Wanderung auf den Spuren der „Bockerlbahn“


Bruckberg. Der Heimatpflegeverein lud zu einer Wanderung auf den Spuren der sogenannten „Bockerlbahn“ ein. Die Schmalspurbahn diente in der Zeit von 1932 bis 1961 zur Beförderung der gewonnenen Tonsilerde aus den Abbauflächen in Pörndorf/ Oberpriel zur Verladestelle in Bruckberg. Nach einem Vortrag darüber, fand nun eine Begehung des ehemaligen Streckenverlaufes statt. Neben der Eisenbahn- Industriegeschichte wusste der Heimatforscher Vitus Lechner viel Wissenswertes über Geschichte und Natur zu berichten.

Vitus Lechner konnte am Rathausplatz zahlreiche Teilnehmer zur sieben Kilometer langen Wanderung nach Pörndorf begrüßen. Zwar sind die Schienen der Schmalspurbahn längst entfernt und die Trasse heute kaum noch erkennbar – doch über die damalige Zeit gibt es dank reichhaltiger Aufzeichnungen vieles zu berichten. So blickten die Wanderer bei einem Halt auf den Bruckberger Bahnhof, der als Verladestation diente. Hier sind noch Fundamente erkennbar. Die Bahnstrecke verlief entlang dem alten Kirchenweg und im Ort weiter neben der Bahnhofstraße. Nach deren Überquerung, die damals einen heiklen Verkehrspunkt darstellte, führten die Gleise entlang des Möslingbaches bis zur Anhöhe bei Hiendlberg. Eine Informationstafel gegenüber der Metzgerei Rampf erinnert an die Zeit der Bockerlbahn. Die Wanderer nutzten den Möslingtalweg um anschließend oberhalb des Baches in Richtung Almosenbachhorn weiterzugehen. Hier gab es früher eine sehr große Anlage (altes Schloss) und eine uralte Straßenverbindung bis nach Regensburg. Am Halt zum Anstieg ins dahinter liegende Osterbachtal erläuterte Lechner, dass man am Anfang des Bentonit- Abbaues täglich zwischen 60 und 80 Tonnen Tonerde transportierte – zum Ende waren es täglich 350 Tonnen, die mit Hilfe von insgesamt sieben Lokomotiven zum Transport nach Moosburg verladen wurden. Eine Kolonne von zwölf Mann war für die Wartung der Strecke zuständig. Auch der Zweite Weltkrieg machte nicht vor der Schmalspurbahn Halt- beim Angriff eines amerikanischen Tieffliegers wurde der Lokführer Johann Mayr aus Edlkofen getötet.
Das Befahren der Gleise, insbesondere bei abschüssigem Gelände, erforderte von den Lokführern hohes Geschick, zudem die zunehmende Beladung die Loks mit ihren Loren sehr instabil machte. Eine doppelte Gleisführung nahe Hiendlberg verschaffte der Einspurbahn eine Ausweichmöglichkeit. Über das Osterbachtal, das früher von der Eisenbahnlinie durchzogen wurde, führte die Wanderung zur einzigen Stelle im Wald, an der die Bahntrasse noch heute eindeutig erkennbar ist.
Anschließend folgte der Anstieg zu einem markanten Punkt, dem Burgstall von Lichtenwart – einer ehemaligen Befestigungsanlage und zugleich Kraftort, der vermutlich früher ein Platz von Druiden, den keltischen Weisen, war.

Nach einer Brotzeitpause führte der Weg aus dem Wald über Feldwege zu einer Anhöhe mit weitem Blick auf die Dörfer Pörndorf und Attenhausen. Der Abstieg Richtung Pörndorf erfolgte bis zum ehemaligen Bahnhof, wo die Verladung und Wartung der Lokomotiven stattfand und auch eine Werkskantine angeschlossen war. Heute deutet inmitten des grünen Landes nichts mehr auf die 30- jährige Bahngeschichte hin. Tonsilerde ist nur in bestimmten Gegenden vorhanden und deshalb ein wertvoller aber gleichzeitig vielseitiger Rohstoff. Durch die rund 80 Jahre währende Ausbeute in dieser Gegend geht er nun zur Neige.

An diesem Punkt endete die Führung entlang der ehemaligen Werksbahn und der Rückweg führte über Bachhorn und dem früheren Bittgangweg zurück nach Bruckberg. Dieser Weg wurde schon im 16. Jahrhundert bis ins Jahr 1950 regelmäßig als „Betsteig“ genutzt. Auch bei dieser Wanderung waren viele Teilnehmer überrascht, welch interessante Geschichten sich hinter dieser Gegend verbergen.

Auf schönen Waldwegen ging es durch das Gemeindegebiet

 

Vitus Lechner an der ehemaligen Trasse der Schmalspurbahn, die zwischen den Bäumen gut zu erkennen ist

 

Der Burgstall von Lichtenwart ist von einem Graben und einer Wallanlage umgeben, dies zeichnet sich noch deutlich im Gelände ab

 

Auch über den Ort Pörndorf wusste Vitus Lechner viel Interessantes zu berichten