Weinbautradition soll Platz im Heimatmuseum finden



Bruckberg. Der außergewöhnlich warme Sommer beschert den Winzern eine ausgezeichnete Ernte. Auch in Bruckberg läuft gerade die Weinlese und Hobbywinzer Vitus Lechner kann in diesem Jahr Spitzenwerte erzielen. Der Weinbau in dieser Gegend hat eine lange Tradition – Grund genug, das Thema beim in der Planung befindlichen Innenkonzept des örtlichen Heimatmuseums zu berücksichtigen.


Zufrieden steht Hobbywinzer und Heimatpfleger Vitus Lechner vor seinen Weinreben. Aufgrund der hohen Temperaturen konnte bereits mit der Weinlese begonnen werden und es hat sich gezeigt, dass dieser Jahrgang ausgezeichnete Werte erzielt. Der Weinbau in unserer Gegend hat eine lange Tradition – die erste urkundliche Nennung über Thulbach bei Bruckberg stammt aus dem Jahr 754. Archäologische Funde wie Weinamphoren und Rebmesser belegen sogar, dass schon die Kelten und Römer Wein tranken. Über viele Jahrhunderte hielt sich der Weinbau in der Region. Seit dem Dreißigjährigen Krieg ging es damit jedoch bergab. Veränderungen am Klima und den Geschmäckern brachten ihn bis Mitte des 19. Jahrhunderts weitestgehend zum Erliegen. Familien-, Straßen- und Hofnamen erinnern heute noch an die Blütezeit.
Heimatforscher Vitus Lechner war es ein Anliegen die lange Weintradition in der Gegend wieder aufleben zu lassen. Seit über 30 Jahren beschäftigt er sich mit dem Anbau von Weinstöcken und schaffte es, sich stetig weiterzuentwickeln. Ein Qualitätsmerkmal des Weines wird in sog. „Oechsle“ ausgedrückt. Diese Maßeinheit basiert auf der Dichte des Mostes, also des unvergorenen Traubensaftes. Im Allgemeinen liegt das Mostgewicht eines mittleren Jahrgangs in Deutschland zwischen 70 und 80 ° Oechsle. Über das Mostgewicht lässt sich der mögliche Alkoholgehalt des Weines bestimmen. Der Jahrgang 2018 von Vitus Lechner erzielt einen hervorragenden Wert von 90 Oechsle, das einem Alkoholgehalt von 12,2 in Volumenprozent entspricht. Zudem entfällt bei einem natürlichen Wert in dieser Höhe eine Nachbearbeitung mit Zucker. Bis zum tatsächlichen Genuss des „Paolo Lacrima“ wird es aber noch bis zum nächsten Frühjahr dauern.
Die Besonderheit des Weinanbaus im Landkreis soll sich zusammen mit der Hallstattzeit auch im örtlichen Heimatmuseum wiederspiegeln, für dessen Innenausstattung gerade ein Konzept erarbeitet wird. Zur Vernetzung aller hiesigen Museen ist außerdem ein Interpretationsplan vorgesehen, der die Alleinstellungsmerkmale jedes Museumsstandortes hervorhebt. Eine Erarbeitung im Rahmen des LEADER- Projektes läuft derzeit im Landratsamt Landshut.  Beim Thema Weinbau wären Informationen für die Besucher über die Landnutzung, den Handel oder diesbezügliche Erfindungen denkbar.
So könnte der Bogen zwischen der langjährigen Tradition des Weinbaus in früheren Jahrhunderten und der Wiedergeburt an den Bruckberger Isarhangleiten in der heutigen Zeit, perfekt gespannt werden.

Anhand des Refraktometers bestimmt Hobbywinzer Vitus Lechner den Zuckergehalt seines Traubenmostes. Dabei wird ein Tropfen Traubensaft auf ein Prisma gegeben. Durch ein Okular lässt sich dann der Wert an einer Skala ablesen.

 

In Handarbeit werden die prallen Trauben am Weinberg in Bruckberg geerntet

Die Trauben werden in der Abbeermaschine von den Stielen befreit und anschließend mit den Kernen gemaischt