Auf den Spuren von Jakobus - von Hörgertshausen nach Bruckberg

Aktualisiert: 6. Aug.

„Ich bin dann mal weg – ein paar Stunden zum Besinnen und zur inneren Einkehr, weg vom Alltagsstress und raus in die Natur“, mit diesen Worten nahm Heimatforscher Vitus Lechner die Pilger mit auf den Jakobus Weg. Der Jakobusweg wird erstmalig im Jahr 1047 erwähnt und geht zurück auf die nordspanisch Hauptverkehrsachse, den Weg, der seit alten Zeiten von Pilgern des Hl. Jakobus und Peter und Paul begangen wurde. Dadurch wurde die Verbindung zum Grab des Heiligen Jakobus in Galicien hergestellt. Im Mittelalter entwickelte sich die Grabstätte in Santiago de Compostela neben Rom und Jerusalem zur christlichen Pilgerstätte.



„Unser Wanderweg führt uns auf 13 km zu drei Jakobuskirchen, beginnend mit einer kurzen Andacht in der Jakobuskirche in Hörgertshausen, die bereits 926 erwähnt wird. Der Weg führte zunächst durch den Wald in Richtung Peterswahl.





Der Ortsname kann auf die frühere ortsansässige Bevölkerung zurückgehen oder auf den hinter der Kirche liegenden Höhenzug, wo einst ein ursprünglicher Adelssitz war. „Vor rund 200 Jahren baute hier ein Bauer erstmalig Kartoffeln an und im Ort fanden einst Pferderennen und Sänger- und Musikantentreffen statt“, so Lechner.




An Hopfengärten vorbei führte der Feldweg bei erfrischendem Nieselregen nach Enghausen. Die Gruppe war sehr dankbar für die Gastfreundschaft am Göschlhof durch Fam. Hobmaier und den freundlichen Empfang der Mesnerin, die bereits Getränke bereitgestellt hatten.




In der Kirche „Heilige Kreuzauffindung“ hängt ein eindrucksvolles Kreuz, das vermutlich um 1500 aus der Stiftskirche in Moosburg übernommen wurde. Als das alte Kreuz 2004/05 restauriert wurde, ergab die naturwissenschaftliche Untersuchung ein sensationelles Ergebnis: Es handelt sich bei dem monumentalen lebensgroßen Kruzifix um die älteste Christus-Darstellung weltweit, die 890 bis 900 entstanden ist.

Die Augen der Christusfigur sind geöffnet und blicken dem Betrachter ins Innerste. Mit einer Größe von 1,88 m und 1,75 m Breite wirkt der Korpus äußerst imposant.

Weiter führte ein Anstieg auf den Höhenweg, dort hatte die Gruppe einen wunderbaren Blick auf den Schlaghäuselberg sowie den Ameisenberg. „Der Name leitet sich nicht von der Ameise ab, sondern entstand durch unklare Überlieferung von „Am Eisenberg“. Dort wurde früher Rasenerz abggebaut“, wusste Lechner zu berichten.





Die Pilger zogen nun zur Jakobuskirche in Willersdorf, die auf halbem Weg nach Bruckberg liegt.




Der Hochaltar ist dem Hl. Jakobus geweiht, an den Seiten stehen die Figuren des Hl. Joseph und des Apostels Johannes. Hinter der Kirche erinnert ein schlichtes Kreuz an die zahlreichen Opfer der Schlacht bei Gammelsdorf im Jahr 1313. Namensgeber für den Ort war wohl der Adelige „Chuorat de Willehalmestorf“. Die bereitgestellten Sitzgelegenheiten von Fam. Schranner sorgten für Abkühlung im Schatten. Bei herrlichstem Wetter führte der Pilgerweg nach Reichersdorf.




Die Kapelle steht bewachend über dem Ortskern. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts ließ der Wirt und Bürgermeister Selmair die Kapelle errichten. Der südamerikanische Einfluss des Baumeisters Josef Greimet, der lange Zeit in Brasilien lebte, ist deutlich an der Haube der Kirche erkennbar. Die Bauweise wird auch „Indianer Barock“ genannt.



Mit kühlen Getränken konnten sich die Wanderer beim Gasthaus Selmair erfrischen, bevor sie die letzte Etappe Richtung Bruckberg in Angriff nahmen, die durch den schattenspendenden Wald bei Hartshausen führte.




In der Jakobuskirche von Bruckberg verwies der Heimatforscher neben vielen Details auf den im Inneren der Kirche aufgestellten Grabstein von 1475 Paul Jud von Bruckberg, dessen Bruder Thormann Jud die Geschichte der Landshuter Hochzeit hat aufzeichnen lassen. Eine Pilgerreise ging zu Ende und die Pilger bedankten sich herzlichst bei Vitus Lechner, der sie an seinem immensen Wissen teilhaben ließ.


Erschienen am 1.8.22 in der Landshuter Zeitung - Text und Bilder Helga Baier

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