Eisenkreuze und Grabstein am Pauliberg Friedhof (2)

Aktualisiert: 9. Juni

Erschienen am 11. und 14. Dezember 2021 in der Landshuter Zeitung


Würde - zumindest im Tod


Zum Gedenken an die unbekannten KZ-Opfer (Foto Helga Baier)



Auf dem Friedhof steht ein Eisenkreuz „Zum Gedenken an die KZ Opfer“. An diese Opfer wird weltweit gedacht und viele Menschen können darüber Geschichten erzählen. Auch Bruckberg hat eine Geschichte dazu.


Die SS räumte in den letzten Kriegstagen im April 1945 viele Konzentrationslager und die damit verbundenen Außenlager, um die Insassen ins Landesinnere zu „verlegen“, damit diese nicht von den Alliierten befreit werden konnten. Die KZ-Häftlinge wurden auf Gewaltmärschen, teils auch mit Zugtransporten, unter menschunwürdigen Bedingungen durchs Land getrieben. Die Alliierten rückten immer weiter vor, die Gefangenen wurden ziellos über die Landstraßen und durch die Ortschaften gescheucht. Zahlreiche Gefangene starben auf den Strecken infolge von Hunger, Erschöpfung und Krankheit oder wurden ermordet. Die Leichen wurden notdürftig neben den Wegen verscharrt.


Auf dem Todesmarsch nach Dachau im April 1945 gab es auch Tote hier in Bruckberg. Zwischen dem Bahnhof und dem Schloss wurden die Toten kümmerlich begraben. Im Herbst des gleichen Jahres hat der Dorfpfarrer Friedrich Schnell die Umbettung auf den Pauliberg Friedhof veranlasst – so wurde den Toten zumindest im Tod ihre Würde zurückgegeben.

Einige Jahre später erfolgte die Exhumierung und die Verstorbenen wurden auf einem Sammelfriedhof in Flossenbürg bestattet. Zum Gedenken und Erinnerung an diese grausame Zeit wurde für die Verstorbenen am Pauliberg Friedhof im Jahr 2004 ein Kreuz aufgestellt.





Am Grabe Laschs


Der letzte Grabstein auf dem Pauliberg Friedhof (Foto Vitus Lechner)



Um 1970 wurde der Friedhof um die Paulibergkirche aufgelassen. Manche Grabsteine wurden abgeholt und manche leider vernichtet. Einer der letzten Grabsteine gehört Louis Lasch, er steht unter einer hochgewachsenen Thuja. Geboren wurde Lasch in Sachsen als erstes von zehn Kindern. Er kam aus einer Bergmannfamilie und war selbst im Bergbau und in der Landwirtschaft tätig. Schließlich wurde er Postbeamter und fand später eine Anstellung beim Amtsgericht. Lasch starb 1935 und wurde im Oktober auf dem Paulibergfriedhof begraben. Heimatforscher Vitus Lechner besitzt interessanterweise noch einen alten Zeitungsartikel, in dem über die Beerdigung berichtet wurde.




Lasch war Mitglied der NSDAP und wurde mit allen damaligen Ehren bestattet. Eine große Trauergemeinde gab ihm das Geleit. „Der Erlöser ist gekommen, um ihn von unheilbarem Leid und Siechtum zu befreien“, waren die Worte des Pfarrers am Grab. Louis Lasch hatte in stiller Gottesfurcht und Treue gelebt, heißt es in dem Artikel. In der Umgebung war Lasch kein Unbekannter, denn er führte in Bruckberg einen Kolonialwarenhandel oberhalb der Bockerlbahnspur an der heutigen Laschstraße. Die Straßenbenennung kam in den siebziger Jahren und erinnert heute noch an Louis Lasch.




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