Die Bruckberger Dorflinden (LZ-Serie: "Naturschmankerl im Landkreis")

Aktualisiert: 18. Feb.

Dorflinden wurden früher gern als wichtiger Platz der dörflichen Gemeinschaft an zentralen Ortsstellen gepflanzt. Die weit in der Geschichte zurückreichende kulturelle Bedeutung des Baumes lässt sich in Beschreibungen als Baumheiligtum, Tanz-, Gerichts-, Kirchen-, Hof- oder Freiheitslinde finden. Die menschheitsbegleitende Linde steht in Liedern, Sagen, Legenden und Dichtungen für Heimat, Frieden, Harmonie, Vertrautheit, Liebe und Freude. Als Haus- und Hofbaum galt die Linde als ein Symbol des Lebens und bedeutete Schutz und Glück für die dort wohnenden Familien.

Die Edlkofener Dorflinde wurde vermutlich 1727 bei der Einweihung der heute noch stehenden Kapelle gepflanzt und war Mittelpunkt des Dorfes. Unter dem Lindenbaum am sogenannten ‚Milchbankerl‘ sammelten die Einheimischen die Milch, ratschten nebenbei und tauschten Neuigkeiten aus. So ein Kommunikationspunkt funktionierte oft schneller als manche moderne digitale Technik. Zum damaligen Zeitpunkt existierten 20 Höfe in Edlkofen, dessen Bewohner zusammen mit dem Pfarrer Schredl aus Gündlkofen den Bau der Kapelle beim Bischof Johann Franz Eckher von Karpfing und Lichteneck beantragten. Bis zum Ende der sechziger Jahre war die große Dorflinde mit ihrer mächtigen Baumkrone unter dem schattenspendenden Laubdach ein willkommener Ruhepunkt. Nach ihrer Fällung wurde vor ca. 40 Jahren ein neuer Lindenbaum an gleicher Stelle gepflanzt.

Ungefähr auf gleicher Höhe, aber südlich der Eisenbahnlinie Moosburg - Landshut an der Mühlenstraße entlang in Richtung Isarauen, findet der Wanderer ein mehr als 250 Jahre altes Naturdenkmal – die Sommer-Linde mit dem botanischen Namen Tilia platyphyllos. Der mächtige Baum ist ca. 25 m hoch und durch seinen Durchmesser von gut 1m auch in der Liste der regionalen Baumgiganten des LBV (Landesbund für Vogelschutz) erfasst. Bäume erzählen Geschichten. Dieser starke Lindenbaum begleitet die Menschen schon seit mehreren Generationen. Er hat z.B. einen Brand am 18. Oktober 1952 überlebt, obwohl das Feuer alle Äste schwarz verkohlt hinterließ. Jährlich wird die Linde durch den Baumkletterer Max gepflegt. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall, besonders wenn im Frühjahr das frische Lindengrün der jungen, herzförmigen Blätter in der Sonne leuchtet. Während der Blütezeit dieser Linde im Juni finden nektarsammelnde Insekten eine wertvolle Nahrungsquelle. Der Lindenblütentee hilft bei Erkältungen - das Schwitzen mobilisiert die Entgiftung des Körpers und aktiviert das Immunsystem. Schnitzarbeiten aus dem begehrten, weichen Lindenholz finden sich in vielen Kirchen.

Linden können mehrere hundert Jahre alt werden. Machen wir uns die enorme Bedeutung der Bäume für die Erde, das Klima und für jeden Einzelnen wieder bewusst. Entdecken wir die Naturschönheiten in unserer Heimat und bewahren sie durch unsere Wertschätzung für zukünftige Generationen - genau wie der Dichter es beschreibt. „Alt wie ein Baum möchte ich werden, alt wie ein Baum mit einer Krone, die weit… über Felder zeigt.“


Text: Dagmar Michel und Vitus Lechner

Fotos: Reinhard Burkl

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