Die Rotbuche - Baum des Jahres 2022

Die Rotbuche (Fagus sylvatica) ist zum Baum des Jahres 2022 gekürt und somit der erste Baum, welcher den Titel nach 1990 zum zweiten Mal erhält. Die leicht rötliche Färbung des Holzes gibt der Buche ihren Namen. Sie ist der häufigste Laubbaum im heimischen Wald und kann eine Höhe von ca. 40m erreichen mit einer Lebenserwartung von ca. 250 - 300 Jahren. Die sommergrüne Rotbuche gilt als Zeigerart feucht- gemäßigten Klimas.

Die Dörfer Bruckberg und Widdersdorf verbindet eine Altstraße, beginnend an der sogenannten Schindergreppen (Bergstr.) über die Schlucht zum Wasserhäuschen am Kühberg und Großen Lusen entlang, in einen Hohlweg einmündend bis nach Widdersdorf. Der Wanderer oder Spaziergänger kann wunderschöne Buchen an diesem Weg aneinandergereiht entdecken.

Schon von weitem fällt ein beeindruckendes, herbstlich gefärbtes Laubkronendach einer besonderen Rotbuche nahe Widdersdorf ins Auge. Dieser zweistämmige Baumgigant hat einen Umfang von 4,44 m und trägt über seine enorme Blattfläche mittels Photosynthese zur Sauerstoffproduktion bei. Aus Buchenlaub, das sich in einem bis zwei Jahren abbaut, entsteht zudem ein ideales Keimbett für andere einheimische Baumarten und so wirken Buchen generell bodenverbessernd.

Vermutlich leitet sich das Wort „Buchstabe“ von der Buche - mit Runen beschriebene Buchenholzstäbe - ab. Das Wort Buch kommt vom Althochdeutschen „buoh“, einer Holzschreibtafel aus Buche. Zahlreiche Ortschaften lassen sich bei der Namensgebung in Verbindung zur Buche bringen.

Die ölhaltigen Früchte der Buche, die Bucheckern, spielten in der menschlichen Ernährung in Notzeiten einer Rolle. Die essbaren Buchenblätter wurden bei Zahnfleischproblemen wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung zerkaut oder bei Geschwüren als Wundauflagen genutzt. Für medizinische Zwecke wird der Buchenteer (Inhaltsstoff Fagin) verwendet. Das Buchenlaub diente über Jahrhunderte als Stallstreu und Viehfutter.

Im Mittelalter und in der Neuzeit wurde die Buche wegen ihres hohen Kalium-Gehaltes zur Gewinnung von Pottasche für die Glasherstellung eingesetzt. Die Aufforstung der stark abgeholzten Buchenholzbestände erfolgte meist mit Fichten. Der dabei entstandene Waldtyp wurde als Glaswald, Glastobel oder Schmelzwald bezeichnet. Heute findet das Hartholz eine vielfältige Verwendung als ausgezeichnetes Brennholz, als wichtiges Nutzholz in der Möbel- und Spielzeugindustrie, als Industrieholz z.B. bei der Zellstoffherstellung in der Papierindustrie.

In den meisten Regionen Mitteleuropas verfügt die Buche noch über eine höhere Anpassungsfähigkeit für Temperaturänderungen. Erkrankungen jedoch, wie z.B. vermehrtes Pilzwachstum auf ihrer Rinde werden auf ständig hohe Feuchte in regenreichen, milden Wintern zurückgeführt. Zusätzlich werden Buchen in extremen Trockenjahren geschädigt. Davon sind besonders Altbuchen betroffen, die auf Standorten mit sonst hoher Wasserspeicherfähigkeit wachsen. Buchenbestände, die auf Böden mit regelmäßiger Sommerdürre wachsen, zeigen sich als widerstandsfähiger.

Baumgiganten, wie auch alte Buchen, sind Lebensraum und Nahrungsquelle für zahlreiche Tierarten. Leider werden auch im Gemeindegebiet immer wieder alte Bäume sinnlos gefällt. So meinte schon Eugen Roth: „Zu fällen einen schönen Baum braucht’s eine halbe Stunde kaum. Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk es, ein Jahrhundert.“


Text: Dagmar Michel, Ingrid Großmann, Vitus Lechner

Fotos: Vitus Lechner und Dagmar Michel

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