Die Eiche am "großen Lusen" in Bruckberg - nur ein Baum mit Stamm, Ästen und Blättern?

Aktualisiert: 16. Feb.

Bäume ganz allgemein zählen zunächst zu den beeindruckendsten Lebewesen auf unserem Planeten und sind mit entscheidend für das Gleichgewicht des Ökosystems Erde.

In Bayern wachsen die beiden Eichenarten Stiel- und Traubeneiche. Die Stieleiche mit dem botanischen Namen Quercus robur verdankt ihren Namen dem bis zu 4 Zentimeter langen Stiel, an dem 3-5 Eicheln reifen können. Diese Lichtbaumart ist reich an licht- und wärmebedürftigen Arten. Für die Verbreitung dieses Laubbaums trägt besonders der Eichelhäher durch seine Vorratshaltung im Waldboden bei. Eichen können bis zu 1000 Jahre alt werden.



Die Bruckberger Stieleiche am sogenannten „Großen Lusen“, nördlich vom Kühberg nahe des Wasserhauses, ist mit einem Stammdurchmesser von 1 Meter und einem Alter von ca. 250 Jahren bereits ein Baumgigant. Neben ihrer Bedeutung für den Klimaschutz ist sie Nahrungsquelle sowie Schutz-, Wohn- und Brutstätte für viele Tierarten. So ist diese Eiche mit vielen Nischen und Hohlräumen versehen, in denen Meisen und andere Höhlenbrüter sowie Fledermäuse, Siebenschläfer und Hornissen Unterschlupf finden. Den Larven verschiedener Käferarten dient der Mulm ihrer ausgefaulten Äste als Nahrungsgrundlage. Und, die mit Moos und Flechten bewachsenen Stamm, Zweige und Äste sind Lebensraum einer vielfältigen Mikroorganismenwelt. Viele Tierarten, die bereits in ihrem Bestand gefährdet sind, sind auf solche alten Bäume angewiesen.

Neben dem naturschutzfachlichen Wert ist die ästhetisch schöne Stieleiche auf dem „Großen Lusen“ außerdem auch kulturhistorisch bedeutsam. Schon auf einer der ältesten, historischen Karten ist der Name „Lusen“ verzeichnet und lässt sich vermutlich auf den altkeltischen Begriff lougos - das Licht zurückführen. Die Namensgebung ist auch heute für den erhöhten, lichten Platz sehr passend. Die Eiche steht an einer Altstraße, einem alten Verbindungsweg nach Widderdorf. Ortsseitig gelangt der Wanderer von der Bergstraße, im Volksmund die sogenannte „Schindergreppen“, hinauf zum Kühberg. Die Eiche beeindruckt Spaziergänger und Naturfreunde gleichermaßen und lädt zum Verweilen ein. „Lieber Wanderer halt inne. Die armen Seelen bitten um stilles Gedenken. Vergelt’s Gott.“ Dankbarkeit und Erinnerung mögen die Beweggründe für dieses am Stamm angebrachte Marterl eines privaten Stifters gewesen sein. Nach erreichter Anhöhe lohnt der Blick zurück in Richtung Isarauen. Auf der anderen Seite der Isar liegt hier auf Sichtachse die Ortschaft Berghofen mit Kühberg.



Sind auch Sie von der imposanten Erscheinung eines Baumes beeindruckt und möchten wissen, ob er bereits als Baumgigant registriert ist? Klicken Sie https://landshut.lbv.de/projekte/landshuts-giganten/ an; hier können Sie auch Bäume melden oder Daten eines bereits gemeldeten Baumes aktualisieren.

Kennen Sie Standorte, an dem ein Baum gepflanzt werden könnte? Gerne beraten wir, auch über unsere Kontakte zu Fachleuten und unterstützen Sie bei der Umsetzung und finanziellen Förderung von Baumpflanzaktionen. Melden Sie sich bei uns unter info@heimatpflegeverein-bruckberg.de oder bruckberg-guendlkofen@bund-naturschutz.de


Text: Ingrid Großmann, Dagmar Michel, Vitus Lechner

Fotos: Reinhard Burkl

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