Jakobuswanderung am 25.7. von Obersüßbach nach Bruckberg



„Ein herzliches Grüß Gott an alle Pilger zur Jakobuswanderung von Obersüßbach nach Bruckberg“, begrüßte Vitus Lechner bei Regen eine Schar Wanderer und verwies auf die Corona Regeln.

„Unterwegs sein ist wichtiger als Ankommen, aber ohne Ziel finden wir keinen Weg, ist der Gedanke zur heutigen Wanderung. Jakobuskirchen stehen meist an alten Handelswegen und Pilgerstraßen. Wir besuchen zuerst hier die katholische Pfarrkirche, eine ursprünglich romanische Anlage aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, die gotisch und später neugotisch verändert wurde“, so Lechner. Mit Masken betrat die Gruppe die wunderschöne Pfarrkirche, in der sich ein wertvoller gotischer Taufstein aus dem 14. Jahrhundert befindet. Beeindruckend sind auch die Grabsteine von Obersüßbacher Herrschaften, die wohl zu den eindrucksvollsten im ganzen Landkreis gehören.




Beim Verlassen der Kirche hatte es aufgehört zu regnen, ein gutes Zeichen für die Wanderung. „Obersüßbach hat 2014 sein 1200jähriges Jubiläum gefeiert. Im Jahr 814 waren hier 14 Höfe in Sezpah, bedeutet Sitz am Bach“, informierte Lechner. Die Wanderer zogen los in Richtung Geberskirchen, zuerst eine langgezogene Anhöhe hinauf, dann durch den Wald auf abenteuerlichen nassen und verwachsenen Wegen, bis hin zu den Hügelgräbern. „Diese sind etwas Besonderes“, erklärte Lechner, „wir betreten hier eine andere Welt, überall erheben sich zum Teil ausgeprägte Hügelgräber.



Die große Anzahl lässt eine größere Siedlung vermuten. Es ist schon ein eigenartiger Gedanke, dass hier vor rund 3500 Jahren viele Menschen mit Zeremonien bestattet wurden und wir nun auf diesen Hügelgräbern stehen“. Die Tour ging weiter hinunter nach Geberskirchen, zur schönen Kirche St. Nikolaus, dem Schutzpatron gegen Hochwasser geweiht. Es muss wohl ein besonderer Platz hier sein, weil die Kirche etwas abseits erbaut wurde. Die Sage erzählt, dass die Kirche mit Steinen der Burg Bocksberg aufgebaut wurde. Nach der gruppenweisen Besichtigung der Kirche, führte die Straße sanft bergan Richtung Bocksberg. „Wir kommen nun an der Koaser Eiche vorbei, bei der die Geberskirchener einmal im Jahr ein Fest feiern“. Durch hohes Gras marschierten die Wanderer im Gänsemarsch zum Bocksberg.



„Ein fast vergessener Adelssitz, der abseits von Verkehrswegen liegt. Auf einem bewaldeten Bergsporn liegt der Burgstall Bocksberg, hier in der Gegend auch Giggelberg genannt. Wir nehmen an, dass Bocksberg lange Zeit herzogliches Eigentum war und ein Ort für Friedensarbeiten der Schiedsmänner geworden ist. Am 18. Juli 1280 wurde hier der Streit zwischen Ludwig von Oberbayern und Heinrich von Niederbayern durch Schiedsmänner beigelegt“, berichtete Lechner. Auf dem weiteren Weg durch den Universitätswald in Richtung Pörndorf, kam die Gruppe an einer Wallanlage im Wald vorbei. In Pörndorf angekommen, wurde beim Gasthaus Schmidleitner Mittagsrast gehalten.

Anschließend begaben sich die Pilger in die wunderschöne spätgotische Maria Himmelfahrt Kirche von Pörndorf. Sie wurden von Konrad Obermeier empfangen, der auf seiner Mundharmonika einige Marienlieder spielte. Es herrschte eine ergreifende Stille in der Kirche, ein besinnlicher Moment für alle Besucher.



„Südlich von Pörndorf, beim Maier in Bachhorn, wurde 1929 ein Erdstall oder Schratzenloch in der Kiesgrube entdeckt. Erdställe sind immer noch geschichtliche Geheimnisse“, erzählte Lechner. Nun ging es zum Betsteig, der zwischen Pörndorf und Bruckberg verläuft. „In früheren Jahren musste sich der Pfarrer von Bruckberg frühmorgens um fünf auf den Weg nach Pörndorf zur Messe machen, er wurde am Wegkreuz vom Mesner aus Pörndorf abgeholt.“, wusste der Heimatforscher zu berichten.



Der weitere Weg führte hinunter ins Osterbachtal, danach folgte ein steiler Anstieg hinauf nach Schlott. Das Ziel, die Jakobuskirche in Bruckberg, rückte näher. Durch ein Waldstück verlief der Weg Richtung Bruckberg. Hier verabschiedete sich Lechner nach einer 14 km langen Pilgerwanderung von seinen Begleitern, die sich herzlich bei ihm für die schöne und informative Pilger- und Geschichtswanderung bedankten. Man war sich einig, im nächsten Jahr wieder gemeinsam auf Pilgerreise zu gehen.


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