Karwoche und ihre Bräuche

Aktualisiert: 9. Juni

Erschienen am 13. April 2022 in der Landshuter Zeitung


Der Name des „grünen Donnerstag“ ist nach dem lateinischen „dies viridium“, dem „Tag der Grünen“ benannt. Die „Viridies“ waren um 1200 öffentliche Büßer, die nach 40tägiger Buße wieder zum Abendmahl gehen durften. Auf dem Land werden in der Messe durch die Fußwaschung alle Sünden erlassen. Aus Freude über das erwachte Grün in der Natur, kamen all die heilsamen und würzigen Kräuter auf den Tisch. Davon zeugt auch heute noch die traditionelle „Gründonnerstag -Suppe“ mit neunerlei Frühlingskräutern. Die wertvollen und gesunden Kräuter wie Brennessel, Löwenzahn, Schafgarbe, Huflattich, Brunnenkresse, Kerbel, Gundermann, Giersch, Bärlauch oder Ehrenpreis sollten nach einem alten Rezept für die auch umgangssprachlich genannte „Unkrautsuppe“ verwendet werden. Am Gründonnerstag läuteten die Glocken zum letzten Mal, dann flogen sie nach Rom und kehrten erst zum Gloria am Karsamstag zurück, erzählt Heimatforscher Vitus Lechner. Am Karfreitag wurden Ostereier gefärbt und aus einem einfachen Hefeteig besondere Semmeln gebacken, in die vor dem Backen ein Kreuz eingedrückt wurde.


Der Weidenstock mit den Spänen für die Brandweihe von Bauer Franz.


Karsamstag kündigten die „Ratschenbuben“ gegen 5.00 Uhr in der Früh den letzten Tag der Karwoche an. Am Karsamstag gibt es dann den „Palmbrand“. Ein Feuer wird entzündet und vom Pfarrer gesegnet. Der Weidenstock mit den kreuzförmig eingesteckten Spänen wird in das Feuer gehalten. Der Palmbuschen selbst findet seinen Platz im Herrgottswinkel.

Ostern ist wie Weihnachten ein Hochfest und dies wird auch kulinarisch zelebriert. Zum Frühstück gibt’s „G`weihtes“ aus dem Weihekorb, der reich gefüllt mit Schinken, roten Eiern, Osterbrot und einem Osterlamm am Ostermorgen in die Kirche zur Weihe gebracht wird. Von den Weihekörben wird bereits im 12. Jahrhundert berichtet. Besonders geschätzt wurden die „Antlasseier“, die am Gründonnerstag gelegt wurden. Wer so ein gefärbtes „Antlassei“ isst, kann sich der Legende nach nicht mehr verirren und findet sofort heim, wenn er an das Ei denkt.




Der schöne Bruckberger Osterbrunnen wurde vom Katholischen Frauenbund gestaltet.

Am Ostermontag geht Bauer Franz zu seinen Feldern und steckt den Weidenstock mit den Spänen entweder im Ganzen oder kleine Stücke davon am Rand oder mittig vor allem in die Getreidefelder. Dabei bittet er um Segen und reiche Ernte. Er verteilt auch die „Rindl“ (Wursthaut) vom Osterschinken sowie die Eierschalen auf den Feldern, damit auch die Tiere gesegnet werden. Der Wunsch nach reicher Ernte und Segen für Haus, Hof und Heimat wird heutzutage immer wichtiger.

Die Magd, die sich das ganze Jahr um das Federvieh gekümmert hat, durfte die am Ostermontag gelegten Hühnereier selbst verkaufen und hatten mit dem Erlös ein kleines zusätzliches Taschengeld.

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