Museum Vinum Celticum - bayernweit vorgestellt von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen

Aktualisiert: 18. Feb.

Museum Vinum Celticum wurde von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Musseen in der bayernweit erschienen Dezember Ausgabe 2021 "museum heute 60" vorgestellt



Ansicht des Museums vom Dorfplatzaus Foto: Th. Richter



Von reichen Frauen und fruchtbaren Weinbergen Das Museum Vinum Celticum in Bruckberg Das neue Museum »Vinum Celticum« in Bruckberg konzentriert sich thematisch auf die im Interpretation Framework »Drei Täler – 7.000 Jahre« für die archäologisch-historischen Museen im Landkreis Landshut definierten Bruckberger Kernthemen »Kelten« und »Wein«.Damit ist das »Vinum Celticum« der erste Baustein zur Schärfung der Museumsprofile in den beteiligten Häusern des Landkreises. Gleichzeitig ist das Museum ein gutes Beispiel für das große Engagement von ehrenamtlich tätigen Personen und unterscheidet sich gerade durch die enge Beschränkung auf nur zwei Storylines von anderen, eher enzyklopädisch-archäologischen orientierten Häusern in der Region. Die äußerst konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligter mit der Landesstelle sei an dieser Stelle ausdrücklich hervorgehoben. Christof Flügel


Thomas Richter

Vitus Lechner

Helga Baier

Dagmar Michel

RalphBergmann Als Max Praetorius, der Schulleiter der Bruckberger Volksschule, im Jahr 1913 zum Spaten griff, um im Schulhausgarten Ausgrabungen durchzuführen, dürfte er sich sicher gewesen sein, auf archäologische Spuren zu treffen. Hatte doch sein Kollege, der Landshuter Ober- lehrer Johann Pollinger, bereits beim Bau der Schule im Jahr 1908 urgeschichtliche Keramik aufgelesen. Und auch der Pionier der archäologischen Forschung im Landkreis Freising, der Gymnasialprofessor a. D. Josef Wenzel, hatte in den Jahren 1912 und 1913 erfolgreiche Ausgrabungen in der direkten Nachbarschaft durchgeführt. Praetorius wurde fündig: Er deckte zwei Gebäude eines Landgutes der römischenKaiserzeit, einer sogenannten villa rustica, und »neolithische Wohngruben« auf. Heute wissen wir, dass es sich bei diesen »Wohngruben« um Siedlungs- und Abfallgruben einer Siedlung der älteren und mittleren Jungsteinzeit, also etwa aus der Zeit zwischen 5.300 v. Chr. und 3.900 v. Chr., handelte. Unter dem Eindruck dieser reichen Geschichte Bruckbergs beschloss der Gemeinderat bereits im Jahr 1918, ein Museum zur Präsentation der archäologischen Hinterlassenschaften zu errichten. Bedingt durch die Wirren der Zeit wurde dieser Beschluss jedoch nicht in die Tat umgesetzt und geriet in Vergessenheit. Die zahlreichen Funde fanden einen Lagerplatzauf dem Speicher des Schulgebäudes und gelangten in den folgenden Jahrzehnten in die Museen Freising, Moosburg, Landshut, Vilsbiburg und Mainburg.

Erst als 1984 das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege unter der Leitung von Dr. Bernd Engelhardt archäologische Ausgrabungen im früheisenzeitlichen Grabhügelfeld von Bruckberg-Mooswiesen durchführte und dabei auf reich ausgestattete Gräber der Hallstatt- zeit stieß, weckte eine Sonderausstellung der Grabungsfunde im Schulhaus der Gemeinde in der Bevölkerung wieder den Wunsch nach einem eigenen archäologischen Museum. Als der Heimatpfleger des Ortes Vitus Lechner wenig später im Archiv der Gemeinde auf die Abmachung des Jahres 1918 stieß, beschloss er zusammen mit dem Heimatpflegeverein Bruckberg, die Planungen für ein archäologisches Museum wieder voranzutreiben. Einegünstige Gelegenheit für die Realisierung eines Museums ergab sich im Jahr 1999, als die Gemeinde Bruckberg das alte Schulhaus mitten im Ortszentrum zurückkaufen konnte. 2008 einigten sich Heimatpflegeverein und Gemeinde, dass das Haus durch den Heimatpflegeverein in Eigenleistung saniert und zum Museum umgebaut werden sollte. Noch bevor diese Sanierung im Jahr 2013 abgeschlossen worden war, fanden ab dem Jahr 2010 unter Beteiligung der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern die ersten Planungen für die Gestaltung des zukünftigen archäologischen Museums statt.


»Drei Täler – 7.000 Jahre«: Ein strategisches Kulturvermittlungskonzept für den LandkreisLandshut

Einen gewaltigen Schub bekamen diese Planungen durch das LEADER-geförderte Projekt

»DreiTäler – 7.000 Jahre«. Im Rahmen diesesVorhabens, das unter der Trägerschaft des Landkreises Landshut durchgeführt wurde, erarbeitete der englische Archäologe Dr. Nigel Mills ein gemeinsames dezentrales Vermittlungskonzept für die ältere Geschichte des Land- kreises Landshut (1). Bruckberg kommt,wie auch dem Markt Essenbach, in diesem Vermitt- lungskonzept eine zentrale Bedeutung zu. In beiden Orten liefen vor Beginn der Konzept- erstellung bereits Planungen für ein neues Museum und so wurden, in enger Zusammen- arbeit mit den lokalen Akteuren, Fallstudien für die konkrete Umsetzung der Museen im Sinne des Vermittlungskonzeptes erarbeitet.





Die Ausgrabungen der römi- schen villa rustica im Orts- zentrum von Bruckberg 1913 Repro: R. Ermeier






Die Funde der Ausgrabung von 1913 auf dem Speicher des Schulhauses

Repro: Vitus Lechner


Mit Abschluss des Projektes im Jahr 2019 stand die Ausrichtung des Museums Bruckberg fest: »Das Museum Bruckberg zeigt auf, wie das Entwicklungskonzept auf ein typisches Heimatmuseum mit räumlich eher beengten Möglichkeiten angewendet werden kann. Kern des Heimatmuseums ist ein Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss, in welchem drei inhaltliche Schwerpunkte thematisiert werden sollen: die Hallstattzeit, der Weinbau im Isar- tal und die jüngere Heimatgeschichte. In der Ausstellung zentral präsentierter archäologi- scher Fundort ist ein Grabhügelfeld der Hallstattzeit im Gemeindegebiet.Unter den Gräbern dieses Friedhofes fand sich auch das gut ausgestattete einer Frau, für das eine im Zentrum des Raums präsentierte Rekonstruktion vorgeschlagen wird. […] Dievorgestellten Funde aus dem Grab beleuchten schlaglichtartig die Themenkomplexe gesellschaftlicher Status, Han- del, Wirtschaft, Kommunikation und Religion während der frühen Eisenzeit in der Region Landshut. Anhand des Trinkgeschirrs aus dem Grab wird zum zweiten Schwerpunkt, dem historischen Weinbau im Isartal, übergeleitet. Diese heute in der Region nur noch hobby- mäßig praktizierte Form der Landwirtschaft bestimmte bis vor wenigen Jahrhunderten mit ausgedehnten Weinanbaugebieten entlang der Flusstäler das Erscheinungsbild der Kultur- landschaft. Der dritte Schwerpunkt soll die lokale Ortsgeschichte sein. Das Konzept sieht vor, durch ein digitales Archiv die Sammlung des Heimatmuseums vollumfänglich zu erschließen und die unkomplizierte Erforschung der lokalen, neueren Heimatgeschichte zu ermöglichen. (2)


Das Museum Vinum Celticum

Nachdem die Gemeinde die Trägerschaft für das geplante Museum übernommen hatte und die Förderzusage durch LEADER erfolgt war, fand sich 2019 aus der Mitte des Heimatpflegevereins ein Team von Ehrenamtlichen, die die Realisierung ihres Bruckberger Museums engagiert angingen. Anfangs zusammen mit der Archäologin Petra Härtl und ab Mitte 2019 unter der wissenschaftlichen Betreuung von Dr. Thomas Richter entwickelten der Ortsheimatpfleger Vitus Lechner, Helga Baier, Dagmar Michel,Ralph Bergmann und Sepp Kreileder nicht nur das Feinkonzept ihres Museums. Vielmehr verantwortete das Team der Ehrenamtlichen federführend jeden Schritt der Museumsrealisierung. Von der Arbeit an den Ausstellungstexten über die Auswahl der Exponate bis hin zur Einrichtung des Museums und der Anfertigung der Illustrationen gestalteten sie das Museum nach ihren Wünschen. Auch der einprägsame Name»Museum Vinum Celticum«, der in drei Worten die Kernthemen des Museums skizziert, stammt von ihnen. Tatkräftg unterstützt wurden sie dabei von den Ausstellungsgestaltern der Firma Impuls Design um Peter Neudert.


Konzept des Museums - Grafik: Impuls Design


Ein zentraler Wunsch des Museumsteams war, trotz der im Grobkonzept formulierten Fo- kussierung auf die Themenkomplexe »Hallstattzeit« und »Weinanbau« Funde aus der gesamten älteren Geschichte der Gemeinde Bruckberg und ihrer Ortsteile präsentieren zu können. Dies ermöglichte schließlich eine Gestaltungsidee der FirmaImpuls Design: Die Rauminstallation einer begehbaren Amphore dient als verbindendes Element zwischen den Themenkomplexen »Gräber der frühen Eisenzeit« und »Weinanbau im Isartal«. Entlang der Außenseite dieser Amphore sind Schaukästen eingelassen, in denen in chronologischer Abfolge die ältere Geschichte der Gemeinde anhand ausgewählter Funde erzählt wird.


Funde aus dem Grabhügelfeld von Pörndorf

Foto: Helga Baier


Beim Rundgang um die Amphore öffnen sich den Besucherinnen und Besuchern Vitrinen mit ei- nem jungsteinzeitlichen Becher aus der Siedlung im Dorfzentrum, einem Kinderschädel aus einem Grabhügel der mittleren Bronzezeit bei Gündlkofen, der Ausstattung zweier Grabhügel des gleichen Alters aus dem nördlich des Ortes Bruckberg gelegenen Pörndorf und Funden, die bei der Ausgrabung des römischen Landgutes durch Praetorius zu Beginn des letzten Jahrhunderts geborgen werden konnten.


Blick auf die begehbare Amphore.

Foto: Thomas Richter


Das Grab der Isira – Anfassen erwünscht

162 cm groß, 20 bis 40 Jahre alt, blonde Haare, blaue Augen. Aufgewachsen im Isartal, aber mit Migrationshintergrund: Diese Eckdaten skizzieren die Ergebnisseder anthropologischen und genetischen Untersuchungen, mit deren Hilfe das Bild eines der Schwerpunkte des Mu- seums gezeichnet wird. Im Grabhügelfeld von Bruckberg-Mooswiesen gruben Archäologen 1984 das Grab einer jungen Frau aus. Das Museumsteam gab ihr den Namen Isira. Die von Prof. Joachim Burgerin Mainz durchgeführten genetischen Untersuchungen belegen,dass Isiras Vorfahren aus Südosteuropa, aus dem heutigenTschechien oder der Slowakei, stamm- ten. Die junge Dame war mit reichen Beigaben bestattet worden: Ihre Angehörigen hatten ihr einen großen Geschirrsatz, Fleisch als Wegzehrung, Schmuck aus Bronze, eine große Bernsteinperle und ein Eisenmesser mit verziertem Knochengriff auf die Reise ins Jenseits mitgegeben. Die Fülle und Qualität der Beigaben belegen, dass Isira zur Oberschicht ihrer Zeit gehörte.

Präsentiert wird die Grablege der Isira mit einer raumgreifenden Rekonstruktion der Grabkammer, die die Situation der Ausgrabung im Jahr 1984 simulieren soll. Aufgrund der bereits oben skizzierten Platzverhältnisse war es dabei nicht möglich, die Grabkammer vollständig zu rekonstruieren. Daher entschied dasTeam, den Fokus der Darstellung auf die Bestattung zu legen, diese in Originalgröße abzubilden und den Schmuck der Toten in Auffindungslage zu präsentieren. Die Gefäßbeigaben, die im Originalbefund in etwas mehr als zwei Meter Entfernung vom Skelett aufgedeckt worden waren, finden sich in einer Vitrine hinter der Skelettzeichnung.

Ein besonderes haptisches Erlebnis bietet sich dadurch, dass die Grabbeigaben der Isira, mit Ausnahme des Geschirrsatzes, nicht im Original hinter Glas präsentiert werden. Viel- mehr wurde die Rekonstruktion der Grabkiste als offene Installation realisiert, die Schmuckbeigaben sowie das Messer und ein Gefäß sind als Repliken frei zugänglich angebracht.

Die Besucherinnen und Besucher werden so zum Anfassender Funde eingeladen.

Die an die Installation der Grabkammer anschließende Ausstellung thematisiert Kleidung, Kunst, Bewaffnung, Lebensweise und Siedlungswesen der Hallstattzeit und wirft anhand

von Beobachtungen an Gräbern des mittleren Isartals, in denen eine Akkumulation wertvol- ler Grabbeigaben ausschließlich in Frauengräbern beobachtet werden konnte, die Frage nach einer weiblichen Erbfolge in dieser Zeitepoche in der Region auf. Ergänzt wird der hallstattzeitliche Ausstellungsbereich zukünftig durch die Rekonstruktion des Gesichtes eines 25 bis 30 Jahre alten Mannes aus dem Gräberfeld von Bruckberg-Mooswiesen durch die Forensikerin Prof. Constanze Niess, die bis zum Eröffnungstermin leider nicht fertiggestellt werden konnte.



Anfassen erwünscht: Junge Museumsbesucher beim Erkunden der Installation

Foto: Helga Baier

Vom Symposium zum mittelalterlichen Weinanbau

Der Geschirrsatz der Isira, der über den Bedarf einer einzelnen Person weit hinausgeht, und der Fund von Samen (wilden) Weins aus der Grabung des Herrenhofes von Niedererlbach, Bruckberg auf der anderen Isarseite gegenüberliegend, spannen den Rahmen zum nächsten Schwerpunktthema: dem seit dem frühen Mittelalter durch schriftliche Zeugnisse belegten Weinanbau im Isartal von Freising bis Dingolfing. Welche Bedeutung der Weinanbau für die damalige Kulturlandschaft hatte, zeigt sich in einer Zahl: Um 1551 ist für die Region Landshut eine Rekordernte überliefert, aus der 280.000 Liter Wein produziert wurden. Nachdem Klimaveränderungen und wohl auch ein veränderter Weingeschmack der Konsumenten den Weinanbau im Isartal im 17. und 18. Jh. zum Erliegen brachten, existieren in Bruckberg seit einigen Jahren wieder Weinberge von Hobbywinzern. Mit einem Blick auf diese moderne Weinproduktion betreten die Besucherinnen und Besucher den dritten und letztenSchwerpunktbereich des Museums, die Heimatgeschichte.


Heimatgeschichte digital

Den beengten Platzverhältnissen im Museum geschuldet geht das Museum Vinum Celticum bei der Präsentation der Heimatgeschichte vollkommen neue Wege. Auf eine Ausstellung einzelner Exponate wird verzichtet. Stattdessen dominiert diesen Ausstellungsbereich eine Interaktivstation, mit deren Hilfe die Besucherinnen und Besucher digitalisierte Inhalte und Exponate zur jüngeren Heimatgeschichte nach eigenem Interesse erkunden können.


Die Interaktivstation im Bereich jüngere Heimtgeschichte

Foto: Helga Baier

Sonderausstellung und Museumsweg

Abgerundet wird das neue Museum durch einen Sonderausstellungsraum im zweiten Stock, in dem der Heimatpflegeverein in Wechselausstellungen seine aktuellen Forschungen zur

Heimatgeschichte präsentieren wird, und durch einen Außenbereich mit einem rekonstruier- ten keltischen Haus. Darin befindet sich eine Multimediainstallation, die körperlich beein- trächtigten Besucherinnen und Besuchern einen digitalen Rundgang durch die Ausstellung des Museums Vinum Celticum ermöglichen soll.

Am Keltenhaus wird in Kürze auch ein Rundweg starten, der interessierte Spaziergän- gerinnen und Spaziergänger zu den archäologischen Stätten im Ortsgebiet führt. Dieser Weg ist Teil der im Entwicklungskonzept »Drei Täler – 7.000 Jahre« entworfenen Pfade durch die Zeit, der »Time Trails«,die die Museen des Landkreises Landshut zukünftig verbinden sollen und mit deren Realisierung Anfang 2021unter Trägerschaft des Landkreises begonnen wurde.


Museum Vinum Celticum Dorfstraße 10 84079 Bruckberg info@heimatpflegeverein -bruckberg.de www.bruckberg.org/ freizeit-vereinsleben/museum Öffnungszeiten: Sonntag: 14–16 Uhr und nach Vereinbarung Träger: Gemeinde Bruckberg Ausstellungskonzept und Gestaltung: Impuls Design; Museumsteam: Vitus Lechner, Helga Baier, Dagmar Michel,Ralph Bergmann, Sepp Kreileder, Dr. Nigel Mills, Dipl. Prähist.Petra Härtl, Dr. Thomas Richter Illustrationen: Sepp Kreileder Repliken: ArcTron GmbH Gesichtsrekonstruktion: Prof. Constanze Niess

Fläche Dauerausstellung:

78 m2

Kosten Einrichtung:

150.000 EUR

Finanzierung: Gemeinde Bruckberg; LEADER;

private Sponsoren

Beratung:

Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern


(1)Bartha, Karoline/Mills, Nigel/ Richter, Thomas: Drei Täler – 7.000 Jahre. Ein dezentrales Vermittlungskonzept für acht archäologische Sammlungen im Landkreis Landshut,

in: museum heute, 57, 2020,

S. 68–72

(2) Siehe Anm. 1



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