Museum Vinum Celticum Einweihungsfeier am 27.9.21

Aktualisiert: 21. Okt. 2021

Mit einem Menuett auf der Trompete stimmten Christine Westermair und Ludwig Wimmer von der Altdorfer Musikschule die Besucher auf die anstehenden Feierlichkeiten ein. Bürgermeister Rudi Radlmeier begrüßte zur Eröffnung des Bruckberger Museums Vinum Celticum den Landrat Peter Dreier und die zahlreich erschienenen Ehrengäste mit einem Zitat von Konfuzius: „Erzähle mir die Vergangenheit und ich werde die Zukunft erkennen.“


Nun war es endlich soweit: Ein seit über 100 Jahren bestehender Wunsch nach einem Museum wurde in den vergangenen drei Jahren unter der Trägerschaft der Gemeinde Bruckberg vorbereitet, geplant und umgesetzt, unterstützt von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern und durch LEADR gefördert. Für die vielseitige Unterstützung und Spenden aus der Bürgerschaft dankte Bürgermeister Radlmeier ganz herzlich. Zum Erfolg des Ganzen hat im Wesentlichen der Heimatpflegeverein, insbesondere das Museumsteam beigetragen. Das Museum ist eine Bereicherung für den Ort und die Ortsmitte. Die „Arbeitsgruppe Museum“ hat den Namen bewusst gewählt. „Es ist kein typisches Heimatmuseum mit alten Geräten, die auch immer ihren Charme haben. In den neuen Räumen wird unsere Heimat dargestellt, mit unseren Vorfahren und der direkten Geschichte in unserer Gemeinde,“ so Rudi Radlmeier. „Schwerpunkte liegen in der Hallstattzeit mit unserer Reichen Bruckbergerin und dem Weinanbau der Region in früheren Zeiten.“ Aus diesem Grund begleitet der Kreisarchäologe Dr. Thomas Richter mit unermüdlichem Einsatz die Umsetzung des Museums. Der Besucher betritt ein kleines und sehr modern gestaltetes Museum. Jede Installation wirkt für sich und lädt den Betrachter zum Lesen und Nachdenken ein. „Geschichte erleben, Funde betrachten und den Reichtum der Heimat zu schätzen, mit diesem Gedanken sollen die Besucher das Museum verlassen,“ so Bürgermeister Radlmeier. Anschließend dankte er dem Bruckberger Heimatforscher Vitus Lechner, der jahrelang mit großem Einsatz dieses Ziel verfolgt hat und die Bruckberger Geschichte auf vielfältige Art und Weise lebendig hält.

Der Ursprung für ein Museum liegt im Jahre 1912, als der Lehrer Max Praetorius sensationelle Funde im Dorfmittelpunkt entdeckte. In den 80er Jahren untersuchten Archäologen das Hügelgräberfeld beim Semmelmayer, die „Reiche Bruckbergerin“ und 16 weitere Skelette wurden geborgen. Dieses große Hügelgräberfeld ist einzigartig in Niederbayern. Zwei villae rusticae standen in der Dorfmitte und viele weitere Bodendenkmäler gibt es im gesamten Gemeindebereich. So standen die Besucher der Eröffnungsfeier auf dem Rathausplatz, gleichzeitig aber auch auf einem Dorf aus der Jungsteinzeit. Die zahlreichen wertvollen Ausgrabungsstücke wurden lange Zeit in anderen Museen aufbewahrt und zum Teil ausgestellt. „Nun kehren die Bruckberger Funde dankenswerterweise wieder in ihre Heimat zurück“, so Bürgermeister Radlmeier.

Landrat Peter Dreier unterstrich die entscheidende Bedeutung, die das Programm LEADER „mit einer stolzen Fördersumme“ bei der Verwirklichung des Bruckberger Museums gespielt hat. Die Mittel seien hier in denkbar bester Weise im Sinne dieses EU-Programms angelegt worden – nämlich, um engagierten Bürgern zu ermöglichen, ihre Heimat zu gestalten. Der Landrat sprach auch das von dem britischen Archäologen erarbeitete Entwicklungskonzept „Drei Täler – 7000 Jahre“ für den Landkreis Landshut an, welches eine Vernetzung der Museen im Landkreis zum Ziel hat. Das Bruckberger Museum Vinum Celticum ist ein wichtiger Knotenpunkt in diesem Museumsnetzwerk, das den Einheimischen wie Fremden lebendig die lange, reiche Geschichte der Region Landshut vermitteln soll. Auch auf den „Time Trails“ („Pfade durch die Zeit“), die der Landkreis konzipiert und die Geschichtswissen und Freizeitspaß verbinden sollen, werde das Museum ein attraktiver Haltepunkt sein, machte Dreier deutlich.

Dr. Christof Flügel von der Landesstelle für die nichtstaatliche Museen in Bayern gratulierte zum neuen Museum Vinum Celticum, das nicht den vielen anderen Museen gleicht, sondern als erstes Schwerpunktmuseum im von Dr. Nigel Mills erarbeiteten Entwicklungskonzept „Drei Täler – 7000 Jahre“ eröffnet wird. „Auch der Name des Museums ist sehr spannend gewählt und weist bereits auf die zu erwartenden Bereiche der Geschichte hin: die Dame von Bruckberg, die anthropologisch begutachtet wurde, und der Weinanbau bei den Römern und im Isartal“. Dr. Flügel dankte Hauptamtsleiter Jens Gehder für die umfangreiche bürokratische Betreuung des Projekts.

Peter Neudert von der Gestaltungsfirma Impuls Design begleitete fast zwei Jahre das Projekt und lobte die hervorragende Zusammenarbeit. „Das gibt es nicht oft, dass sich eine Arbeitsgruppe mit ganz unterschiedlichen Menschen so engagiert und Ideen umsetzt. In vielen Videokonferenzen wurden Texte gestaltet, gekürzt oder wieder verworfen.“ Besonders die „Frauenpower“ der Projektleiterinnen Laura Luft aus Erlangen und Helga Baier vor Ort begeisterten ihn.


„162 cm groß, 20 – 40 Jahre alt, blonde Haare, blaue Augen, aufgewachsen im Isartal, aber mit Migrationshintergrund, das ist die Reiche Bruckbergerin, unsere Isira“, so begrüßte der Kreisarchäologe Dr. Thomas Richter die Gäste. „Gelebt hat Isira vor rund 2500 Jahren in der Hallstattzeit, der frühen Eisenzeit. Ihr mächtiger Grabhügel in den Mooswiesen war reich bestückt und ist im Museum ausdrucksvoll dargestellt. Gelebt hat sie wohl in einer befestigten Siedlung auf der Höhenterrasse oberhalb der Mooswiesen in einem sogenannten Herrenhof der Keltenzeit. Von dort oben ließ sich das Isartal hervorragend überblicken. Anhand des archäologischen Fundgutes im Landkreis Landshut können wir feststellen, dass immer die Gräber der Frauen reich ausgestattet waren. Daraus folgernd könnte der Herrenhof vielleicht eher der Hof einer Dame gewesen sein. Diese Zeitepoche ist eine der beiden wesentlichen Säulen des Museums Vinum Celticum. Über die andere Säule kann der Bruckberger Heimatforscher Vitus Lechner ausführlich berichten, da er selbst einen Weinberg betreibt. Meine Rolle war die des wissenschaftlichen Beraters, alle wesentlichen Impulse zur Gestaltung des Museums kamen aus dem Museumsteam, das beim Heimatpflegeverein angesiedelt ist“, so Dr. Richter.



Der Heimatforscher Vitus Lechner bedankte sich ganz herzlich bei Allen, die diesen Weg mitgegangen waren, sei es durch geistigen, körperlichen oder finanziellen Einsatz. „Was unsere Vorväter im Gemeinderat von Bruckberg schon 1918 beschlossen haben und unser Heimatpflegeverein in den 80er Jahren wieder aufgegriffen hat, ist jetzt vollendet worden. Die Museumsgruppe hat in Zusammenarbeit mit der Gestaltungsfirma Impuls Design und Dr. Thomas Richter die Feinabstimmung für das Museum realisiert. In Anlehnung an die Weinbautradition wollen wir heute einen Weinstock beim Museum pflanzen.“



Pater Jis segnete das Museum und sprach mit den versammelten Gästen das Segensgebet. Der Gang zur Weinstockpflanzung wurde musikalisch umrahmt. Landrat Peter Dreier und Bürgermeister Rudi Radlmeier pflanzten den Weinstock fachmännisch zwischen dem Keltenhaus und dem Museum ein, während das Irische Segenslied erklang. Für das leibliche Wohl war mit einem kalten Buffett und Keltenbier gesorgt.

Dr. Richter lud die erste Gruppe zur Museumsführung ein. Der Zuspruch und die Begeisterung der Gäste belohnte für die mit hohem Zeitaufwand und viel Herzblut betriebene Gestaltung und Planung. Ein großes Dankeschön an dieser Stelle auch an Peter Neudert, Laura Luft, Anne Heinrich, Katharina Hübsch und Stefan Küffner von der Gestaltungsfirma Impuls Design sowie LEADER-Koordinator Dr. Eberhard Pex und die LAG-Managerin Karoline Bartha für ihre großartige Unterstützung.


Das Museum „Vinum Celticum“ lädt am 3. Oktober 2021 von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr zum Tag der offenen Tür ein und freut sich auf zahlreiche Besucher. Die aktuellen Hygienevorschriften sind einzuhalten.







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