Unterwegs mit dem Esel

Aktualisiert: 7. Juni

Erschienen am 14. April 2022 in der Landshuter Zeitung.

Wanderer folgten einem alten Brauch am Palmsonntag und lernten viel über die Gegend


Heimatforscher Vitus Lechner begrüßte bei kühlen Temperaturen rund 80 Wanderer und Eselin „Sissi“ von der Familie Hartauer in Pörndorf zur Palmeselwanderung des Heimatpflegevereins: „Am jüdischen Paschafest zog Jesus auf einem Esel in Jerusalem ein.

Die Menschen feierten ihn mit Palmzweigen als Friedenskönig. Der Esel ist Sinnbild für Bescheidenheit und Frieden, den wir heute mehr denn je brauchen. Der Esel gibt heute das Tempo für die Wanderung an“.




Zunächst führte der Weg vorbei am riesigen Tonsilerde-Abbaugebiet. „Die hügelige Landschaft wird durch das Abbaugebiet zwar verändert, gibt aber auch Einblicke in die Vergangenheit. Hier in der Nähe wurde vor etlichen Jahren in 10 Meter Tiefe der Backenzahn eines Hauerelefanten entdeckt, der vor ca. 10 bis 14 Millionen Jahren gelebt hat. Viele Pfostenlöcher, Keramikfunde, Ohrringe und Hüttenlehm deuten auf einen Weiler der frühen Hallstattzeit. Wir beschreiten hier einen uralten Verbindungsweg, der vermutlich zur Keltenzeit aus Bruckberg herführte und weiter über Punzenhofen nach Regensburg“, so Lechner.

Die Wanderer erreichten den Universitätswald und Lechner berichtete von einem Fledermausbunker im Wald. "Um ihnen zu begegnen müssten wir in der Nacht unterwegs sein".





Ein kurzer Abstecher führte zu einem deutlich erkennbaren Abschnittswall, der vermutlich mit einer keltischen Siedlung in Verbindung stand. Der gesamte Waldbereich gehörte ursprünglich zum Adelsgeschlecht der Wölfe vom Bocksberg. Als diese durch Verheiratung um 1200 nach Uttendorf zogen, fiel der gesamte Bereich an die Wittelsbacher. 1362 wurde der Besitz dem Kloster Seligenthal bestätigt. Nach der Säkularisation des Klosters 1802 durch den Bayerischen Kurfürst Max I. gingen die Besitzungen an die Landesuniversität, die früher in Landshut und heute in München ihren Sitz hat. Dieser Wald wurde ausdrücklich zu Forschungszwecken gestiftet.




Dagmar Michel erläuterte die Baumartenverteilung des Waldes mit 65% Nadelholz und 35% Laubholz. „Der Universitätswald ist ein Vorzeigebetrieb für nachhaltige und zukunftsfähige Waldbewirtschaftung. Mischwälder mit Fichte, Buche und Tanne gehören zu den stabilsten Waldökosystemen mit einem hohen Grad an natürlicher Selbstregulation, wie beispielsweise die natürliche Verjüngung der Tanne unter alten Fichten“, berichtete Michel. "Die Weißtanne ist mit ihren Pfahlwurzeln sturmresistenter im Vergleich zur Fichte und anpassungsfähiger an Trockenheit und den Temperaturanstieg durch den Klimawandel, außerdem wird sie kaum vom Borkenkäfer befallen".

„Sissi“ führte die Gruppe weiter durch den Wald in Richtung Kollmannhof. Die Gruppe wurde mit Musik empfangen und die äußerst gastfreundliche Familie Beck vom Kollmannhof bewirtete die Gäste mit allen möglichen Leckereien. Auf einmal wurde der Osterhase gesehen und die Kinder hatten viel Freude beim Eiersuchen.

Nahe dem Kollmannhof fließen einige Quellbäche zusammen und bilden den Bucher Graben.



Hier finden sich viele botanische Raritäten, daher wurde das Tal wurde als FFH Gebiet ausgewiesen. Der Bund Naturschutz mit dem Bachpaten Helmut Böhm sorgt für den Erhalt dieser Perle in der Natur, berichtete der Heimatforscher. Zuletzt sorgte Lechner noch für einen schaurigen Moment, als er vom Mord eines Bauern im Heiligenholz erzählte. Ein junger Bursche wurde verurteilt, nach 28 Jahren Zuchthaus gestand der wahre Mörder auf dem Totenbett seine Schuld. Der unschuldig Verurteilte fand sich nach knapp 30 Jahren Haft in der Freiheit nicht mehr zurecht.




Im Graupelschauer verabschiedeten sich die Wanderer mit Applaus von Vitus Lechner und Sissi und bedankten sich für diese hoch interessante und schöne Wanderung.

Ein großes Dankeschön an Familie Hartauer für die Begleitung mit ihrer ausdauernden Sissi.


Text und Fotos Helga Baier

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